Jörg Drews, Doris Plöschberger (Hg.)

'Des Dichters Aug' in feinem Wahnwitz rollend...'

Dokumente und Studien zu 'Zettels Traum'

Klappentext

"Zettel's Traum" ist das berühmteste Buch Arno Schmidts und zugleich das unbekannteste und unerforschteste. Während einige von dem komplexen Werk schwärmen, resignieren andere davor: Die 1.334 großformatigen Text-Seiten sind kaum erforscht. Doris Plöschberger und Jörg Drews haben Dokumente zur Entstehung und Publikation des Buchs zusammengetragen, Briefe, ein vollständiges Interview mit Arno Schmidt und erstmals auch ein Gespräch mit denen, die das Buch damals raubdruckten. Im zweiten Teil des Bandes folgt eine Reihe von Studien zu Struktur und Motivik von "Zettel's Traum". Eine gesonderte Studie gilt den Autoren-"Charts", welche Schmidt / Pagenstecher im Verlauf des Buches aufstellen. Spiegel-Reporter und Verlagsvertreter, Setzer und Übersetzer, Literaturkritiker und Germanisten berichten von ihrem Umgang mit dem Buch, von entdeckten Köstlichkeiten und den Gründen für bisweilen nervige Längen, und versuchen eine Einschätzung seiner Qualitäten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.05.2002

Gegen die Arno-Schmidt-Forschung im allgemeinen wendet sich der erste Abschnitt von Lutz Hagestedts Rezension. Es handle sich, meint er spottend, um die "Grüne Basis der Literaturwissenschaft", ohne Ahnung von aktuellen Moden und Methoden - und der vorliegende Band mache das, so der Rezensent, mal wieder deutlich. Seltsam allerdings, dass er dann auf die wissenschaftlichen Aufsätze nicht anders als aufzählend eingeht, dafür aber den größten Teil mit einer Polemik gegen den einstigen Zettels-Traum-Raubdrucker verbringt, der im Gespräch - "Höhe- und Tiefpunkt" des Bandes - auch nach 14 Jahren noch die Einsicht in die Unrechtmäßigkeit seines Tuns vermissen lässt. Vom Rest der Beiträge heißt es dann nur, dass sie nicht die "großzügig-integrativen Lesarten" des Monsterwerks bieten, die sich der Rezensent gewünscht hätte. Anständige Forschung zu Zettels Traum bleibt, so Hagestedts Resümee, ein "Desiderat".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2001

Nach Matthias Richter handelt es sich bei diesem Buch vor allem um eine Werk von Insidern für Insider: "Man ist unter sich". Vorausgesetzt wird beim Leser nicht nur, dass er genauestens mit Schmidts Hauptwerk "Zettels Traum" vertraut ist, sondern dass er auch die dazu bisher erschienenen Arbeiten kennt. Im Anhang, bemängelt Richter, werden lediglich die Adressen der Autoren angeführt, weitere Angaben suche der Leser vergeblich. Auch eine Bibliografie oder gar "eine Zusammenfassung, was man überhaupt an halbwegs Gesichertem oder allgemein Akzeptierten bislang herausbekommen hat", enthalte das Buch nicht. Die Beiträge selbst fallen nach Richter sehr unterschiedlich hinsichtlich ihrer Qualität aus. Durchaus Positives kann er besonders den Texten Sabine Kyoras und Doris Plöschbergers abgewinnen, weil hier deutlich gezeigt werde, welch "ästhetisches Spiel von Maskeraden, Kostümierungen und Metamorphosen" in "Zettels Traum" stattfindet. Dies findet Richter von den beiden Autorinnen präzise analysiert- auch wenn die ein oder andere Passage nach Richter durchaus etwas unkomplizierter hätte formuliert werden können.
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