Joe Fiorito

Die Stimmen meines Vaters

Roman
Cover: Die Stimmen meines Vaters
Alexander Fest Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783828601161
Gebunden, 374 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Aus dem kanadischen Englisch von Sigrid Ruschmeier.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.09.2000

Sagen wir so: Wohl auf Interesse, aber nicht immer auf Verständnis stößt bei Jörg Häntzschel dieses Buch. Der zu erwartende Tod des Vaters und die Erinnerung an das Gewesene bilden die zwei Ebenen des Romans, die Fiorito am Sterbebett des Vaters sitzend zusammenführt. "Erinnern ist für ihn ein unproblematischer Prozess", bedauert Häntzschel, der Schwierigkeiten hat, das keineswegs unproblematische Verhältnis zum prügelnden Vater in Form zugespitzter Anekdoten nachzuvollziehen. Ob dieser Hang zur Anekdotisierung Fioritos italienischer Abstammung oder seinem Reporterberuf zuzuschreiben ist, vermag Häntzschel nicht zu sagen. Ihn befremdet der mitunter burleske Ton, der der Abrechnung mit der Vergangenheit eine versöhnliche Note verleiht. Das Geschichtenerzählen, gesteht der Rezensent zu, helfe das am eigenen Leib erfahrene Leid zu relativieren wie auch den Tod des Vaters zu akzeptieren; und beachtlicherweise sei es Fiorito auf diese Weise gelungen, das Milieu seiner Herkunft zu schildern, ohne dabei in die Falle der Sentimentalität zu tappen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.07.2000

Nicht ganz glücklich ist Hauke Hückstädt mit dem Erstlingsroman des Italo-Kanadiers Joe Fiorito, der bislang sein Geld als Journalist verdient hat. Stilistisch erinnert sie der autobiographische Roman, der das Sterben des Vaters begleitet, an eine durchaus gelungene literarische Reportage: gerade und ohne Schnörkel erzählt, dabei aber ohne jenen erzählerischen Charme, der von den Geschichten des Vaters ausgegangen sein muß. Die "Erinnerungen an die Erinnerungen" des Vaters kommen nicht zum Klingen, und die deutsche Übersetzung scheint Hückstädt zum Abbremsen des Erzählschwungs beigetragen zu haben. Wo aber die erzählerische Konkurrenz mit dem Vater ausgeschaltet ist, findet Fiorito zu sich selbst, meint Hückstädt, die ansonsten verärgerte Worte für den Verlag findet, der ihrer Meinung nach ein gefälliges aber zusammenhangloses Cover und ein an Frank McCourts Bestseller anbiedernden Titel gewählt hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.06.2000

Nicht so recht überzeugt hat der kanadische Journalist Fiorito mit seinem Ausflug in die Schriftstellerei den Rezensenten Peter Michalzik. Fiorito erzählt die Geschichte vom Leben und Sterben seines aus einer italinischen Emigrantenfamilie stammenden Vaters, der als Postbote und "mittelmäßiger, wegen seiner Ausstrahlung trotzdem umschwärmter Tanzkapellenmusiker" ein schwieriger und dennoch geliebter Vater war. Die Kultur der Gewalt, die der italienischen Großfamilie die Auswanderung nach Kanada geraten sein ließ, haben sie nicht hinter sich gelassen; auch hier sind Beinahe-Morde und Schlägereien weiter ihr täglich Brot. Der Autor läßt - als Journalist und Sohn schreibend - den Vater am Totenbett erzählen und übernimmt mehr und mehr selbst die Erzählung der Familiengeschichte, je mehr der Vater im Morphiumrausch des Sterbenden versinkt. Herauskommen sind dabei "viele kleine und charmante Erzählungen aus dem Leben einer weitverzweigten Familie", "aber eine eigene Geschichte wird nicht daraus", urteilt Michalzik. Über die Qualität der Übersetzung (von Sigrid Ruschmeier) erfährt man leider, wie so oft, auch hier nichts.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.03.2000

Dass Joe Fiorito hier äußerst persönliche Erlebnisse und Gespräche am Sterbebett seines Vaters aufgezeichnet hat, ist für Egon Schwarz kein Makel. Und es scheint auch nicht abwertend gemeint zu sein, wenn Schwarz anmerkt, dass dem Leser dabei „keine aufrührenden Einzelheiten erspart“ bleiben. Der Sterbende erzähle in diesem Buch zunächst besonders bedeutsame Erlebnisse aus seinem Leben, bevor nur noch Stichworte geflüstert werden, zu denen Joe Fiorito die dazugehörenden Geschichten erzählt und bei denen Erinnerungen des Autors mit einfliessen. Dadurch erschliesst sich dem Leser, wie Schwarz anmerkt, nach und nach das Leben und der Charakter eines Menschen, der nicht nur viel Aufregendes erlebt habe, sondern der auch dunkle Seiten seiner selbst offenbart - zum Beispiel seine Alkoholsucht und die Gewalt, die er seiner Familie angetan hat. Andererseits werde mit dem Bild vom traditionellen amerikanischen „Vater-Sohn-Bündnis“ beim gemeinsamen Angelausflug auch ein dazu kontrastierendes Familienidyll gezeichnet. Bewegend findet der Rezensent, dass trotz aller Aggression gegen den Vater „in jeder Zeile“ auch die Liebe, die Fiorito empfindet, spürbar bleibt.
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