Jochen Hörisch

Poesie und Politik

Szenen einer riskanten Beziehung
Cover: Poesie und Politik
Carl Hanser Verlag, München 2022
ISBN 9783446274174
Gebunden, 160 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Von Wieland über Goethe und Zola bis Amanda Gorman - warum interessieren wir uns für das politische Urteil von Autorinnen und Autoren? Wer Romane, Gedichte oder Theaterstücke schreibt, gilt oft auch als versiert in Fragen der Politik. Warum eigentlich? Schließlich kennen wir so einige Romanciers an der Seite von Autokraten, Lyrikerinnen, die Diktatoren preisen, von Antisemiten ganz zu schweigen. Manchmal schreiben sie Polit-Kitsch, manchmal aber auch wirklich große Literatur. Jochen Hörisch verfolgt die Liaison der Poeten mit der Politik von Wieland über Goethe und Zola bis Amanda Gorman. Wer wichtige Bücher schreibt, versteht von Politik nicht unbedingt mehr als andere Menschen. Bedeutende Literatur freilich, manchmal sogar politisch inkorrekt, kann einen neuen Blick auf die Welt eröffnen - und dabei unsere politische Wahrnehmung schärfen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.08.2022

Rezensent Gustav Seibt entdeckt bei Jochen Hörisch einige bemerkenswerte Einsichten zu den Gemeinsamkeiten von Poesie und Politik. Leider muss er sich erst durch die beispielreiche, aber auch etwas wohlfeile, von Hörisch vorgetragene Erkenntnis wühlen, dass öffentliche Intellektuelle und Dichter anderen informierten Bürgern an politischer Urteilskraft nichts voraus haben, außer eben die Öffentlichkeit. Hörischs Gegenbeispiele (Goethe, Zola) überzeugen Seibt nicht, da es der Autor seiner Meinung nach versäumt, die Geschichte der Öffentlichkeit mitzuerzählen, die Seibt in diesem Kontext immerhin bedeutsam erscheint. Dass der Autor schließlich den Dilettantismus des Wirklichkeitsverhältnisses sowohl der Politik als auch der Poesie herausarbeitet, gefällt Seibt wieder gut.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 06.08.2022

Mladen Gladic wird von Jochen Hörisch an gescheiterte politische Einmischungsversuche deutscher Autoren erinnert, an Luise Rinser und Johannes R. Becher. Aber auch Goethe kommt vor bei Hörisch, als positives Beispiel eines Frühfeministen, staunt der Rezensent. Dass Schriftsteller besser nicht als Politiker agieren, führt der Autor dem Rezensenten jedenfalls eindringlich wie scharfsinnig und manchmal auch etwas zu normativ vor Augen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 29.07.2022

Der nicht zeichnende Rezensent liest den "kurzweiligen" Essay von Jochen Hörisch über die politischen Irrwege von Dichtern und Dichterinnen mit Gewinn. Ob Thomas Mann, Celine, Hauptmann, Becher oder Rinser und ihre "Hitler-Eloge", die Schriftsteller kommen nicht gut weg, wenn sie politisch Partei ergreifen. Wieso auch, fragt der Autor, sind auch bloß Menschen und als solche verführbar. Und der Rezensent lernt, sich besser nicht auf Dichters Meinung im Politischen zu verlassen, auch wenn Hörisch Fälle von wichtigem politischem Engagement bei Zola oder Goethe nicht unerwähnt lässt.

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