Joachim Zeller

Kolonialdenkmäler und Geschichtsbewusstsein

Eine Untersuchung der kolonialdeutschen Erinnerungskultur
IKO Verlag für Interkulturelle Kommunikation, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783889395443
Broschiert, 328 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Die vorliegende Studie geht der Frage nach, wie im Medium Denkmal und in anderen Gedenkriten die koloniale Vergangenheit Deutschlands erinnert wurde. Eingehend wird die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der Kolonialdenkmäler, die in Deutschland und in den ehemaligen deutschen Überseegebieten errichtet oder projektiert wurden, untersucht. Dabei baut die Arbeit im wesentlichen auf dem geschichtsdidaktischen Konzept des Geschichtsbewußtseins auf und versteht die Zeugnisse der kolonialdeutschen Erinnerungskultur primär als dessen Manifestation und Medium. Die Denkmäler interessieren daher vor allem in ihrem diagnostischen Stellenwert für die Beharrung und den Wandel historisch-politischer Mentalitäten während der vergangenen mehr als hundert Jahre. Insbesondere versucht die Arbeit die Veränderungen aufzuzeigen, denen die öffentliche Gedächtnispflege im Ablauf vom kolonialen zum postkolonialen Zeitalter unterworfen war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.02.2001

Andreas Eckert zeigt sich erfreut darüber, dass sich nun endlich ein Autor dieses bislang sehr vernachlässigten Themas angenommen hat. Zwar kritisiert der Rezensent, dass Zeller hier bisweilen etwas zu "akribisch" vorgeht - zuungunsten "analytischer Elemente". Doch summa summarum sieht Eckert in diesem Band einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Kolonialismus-Spuren in Deutschland. Eckert macht dies mit einigen Beispielen anschaulich: Etwa wenn er vom Denkmal-Klau Hamburger Studenten erzählt, die 1967 die Statue von Hermann von Wissmann entwendet haben, weil dieser in ihren Augen für die Kolonialisierung "Deutsch-Ostafrikas" stand - gleichzeitig eben diese Statue ursprünglich dazu diente, das Ausland an die "nicht versiegenden Ansprüche auf die Rückgabe des `geraubten deutschen Kolonialreiches`" zu erinnern. Ähnlich der Fall des "Bremer Kolonialelefanten" von 1931, der ursprünglich für koloniale Ansprüche stand und heute an die Opfer der Kolonialherrschaft erinnern soll. In der Darstellung solcher Rezeptionsgeschichte und "deutscher Lernfähigkeit" sieht der Rezensent mit diesem Buch einen durchaus lesenswerten und wichtigen Beitrag erbracht.
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