Joachim Helfer

Nicht zu zweit

Drei Novellen
Cover: Nicht zu zweit
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518416686
Gebunden, 173 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Von Einzelgängern erzählt Joachim Helfer in seinen neuen Geschichten, freiwilligen, unfreiwilligen, verhinderten. Und davon, wie ihnen das Unerhörte begegnet, das ihr Leben verändert. Ein Starchoreograph am Rande des Burn-outs sucht künstlerische Inspiration für seine nächste Inszenierung - und wird von Amor abgeschossen wie ein gelähmtes Tier. Ein nicht mehr junger Kenner der Kunst und des Lebens will das wohlverdiente Liebesnest im warmen Süden beziehen - und wird von der Geschichte eingeholt, die ihn gleich zweimal zum Emigranten gemacht hat. Ein Junge, versteinert zwischen den Ansprüchen vereinnahmender Liebe, versucht sich selber in den immer nur angedeuteten Familiengeschichten zu erkennen - und findet heraus, daß er lebt und aus Fleisch und Blut besteht. In den drei subtil bis ausschweifend instrumentierten Novellen "Ein Tanz", "Ein Ring" und "Die Steine" begegnen uns Figuren aus Helfers Romanen wieder: älter geworden oder verjüngt, an entscheidenden Lebenswendepunkten zögernd oder drängend voranschreitend, in einen flüchtigen Pas de deux versunken oder sich dynamisch um sich selbst drehend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.09.2005

Für Kristina Maidt-Zinke ist es überdeutlich, dass Joachim Helfer verloren geglaubte Schönheit und Vornehmheit zurück in die Literatur und irgendwann auch ins Leben holen will. Nur schlägt dieser Versuch fehl, urteilt die Rezensentin und zeigt sich sowohl vom "preziösen und ostantaiv gepflegten, ja manikürten" Erzählstil als auch vom Inhalt der Geschichten gelangweilt. Diese handeln ausschließlich von mal älteren und mal jüngeren Männern, die in luxuriöser Umgebung einander oder sich selbst begehren, lesen wir, und Maidt-Zinke fühlt sich darin ziemlich unwohl: Inmitten der "sprachlichen Tütüs und Pirouetten" vermisst sie Sachlichkeit und Authentizität, lediglich in Helfers Schilderung eines pubertierenden Jungen entdeckt sie eine "bemerkenswerte Natürlichkeit". Ansonsten wird ihr schlecht bei einer Passage, in der ein junger Stripper sich erregt und betrunken in den Schoß eines älteren Herren übergibt, und sie konstatiert gewollt anzüglich: Literatisch gehen diese Erzählungen "nach hinten los".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2005

Ernst Osterkamp kanzelt ab, trocken und gepfeffert: Die einzige "unerhörte Begebenheit" an diesen Novellen, schreibt er, ist ihre Publikation beim Suhrkamp Verlag. Wobei man vermuten muss, dass der Rezensent das Buch bei keinem Verlag dieser Welt veröffentlicht hätte, so eindeutig und distanziert fällt sein Urteil über Helfers Prosa aus: ein einziges Nichts mit knackigen jungen Männern und viel "name dropping", "preziös" mit Sprache garniert. Ach ja: Die letzte Novelle bietet immerhin einen Lichtblick.
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