Aus dem Amerikanischen von Andreas Nohl. Legen die ersten zwei Lebensjahre tatsächlich die künftige Entwicklung eines Kindes fest? Orientieren sich Menschen lediglich am Prinzip von Erfolg und Misserfolg, an dem, was ihnen "etwas bringt"? Und stimmt es eigentlich, dass Menschen über festgefügte Persönlichkeitseigenschaften wie Intelligenz, Angst oder ein bestimmtes Temperament verfügen? Das vorliegende Buch, das die Früchte der lebenslangen Forschung eines der Begründers der Entwicklungspsychologie zusammenfasst, geht den einflussreichen Annahmen nach, die hinter solchen psychologischen Konzepten stehen, und zeigt auf, dass sie falsch sind. Indem er einen eindrucksvollen Bogen von kulturgeschichtlichen und philosophischen Überlegungen hin zur psychologischen Erforschung des Menschen spannt, kommt Jerome Kagan auf der Grundlage einer Fülle von empirischen Untersuchungen zu Schlussfolgerungen, die das gewohnte Ideengebäude der Sozialwissenschaften zum Einsturz bringen und ebenso viele Grundlagen sozialpolitischer Maßnahmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2000
Bettina Engels geht hart mit dem Buch ins Gericht. Sie wirft dem Autor vor, sich nicht einmal zu bemühen, "soziale Phänomene zu verstehen". Beispielsweise würden die Widerstände des Autors gegen die Vorstellung der grundsätzlichen Prägung des Menschen in der frühen Kindheit durch ein "Phantasieexperiment" belegt, das zu überraschenden und vor allem unbegründeten Schlüssen führt, so die Rezensentin erstaunt. Bei Beispielen aus der Evolutionsbiologie bleibe es dem Leser überlassen, daraus Erkenntnisse über die frühkindliche Psyche zu ziehen. Der Autor stützt sich auf freie Assoziationen und macht um logische Schlussfolgerungen einen großen Bogen, ärgert sich die Rezensentin.
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