Jerome Ferrari

Balco Atlantico

Roman
Cover: Balco Atlantico
Secession Verlag, Zürich 2013
ISBN 9783905951240
Gebunden, 174 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Christian Ruzicska und Paul Sourzac. Wieder das korsische Dorf, wieder die Bar. Aus nächster Nähe werden dem Nationalisten Stéphane Campana zwei Kugeln in den Bauch gejagt. An seinen Leichnam geklammert vergeht vor Tränen die junge Virginie Susini, in unheilvoller Verehrung war sie dem nun Toten seit Jahren verfallen, bis hin zur sexuellen Selbstaufgabe. Und wieder Hayet, und auch ihr Bruder, Khalet - voller Träume auf ein besseres, auf ein freies Leben kamen sie nach Europa. Doch der allem Sein gegenüber gleichgültige Lauf der Dinge lässt auch ihre Träume zerbersten wie die Glück verheißenden Wellen am Felsen von Balto Atlantico, Tanger, Marokko. Auf der Insel aus Gewalt und Schönheit führt Jérôme Ferrari die Hoffnungen und Ängste, die Ideologien und Träume, die Sehnsüchte und Einsamkeiten der Dorfbewohner zusammen und verschmilzt sie zu einem Schicksal.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.04.2014

Den nun vorliegenden ersten Band von Jérôme Ferraris Korsika-Trilogie, der eigentlich den Auftakt des Ganzen bildet, kann Samuel Moser ohne Schwierigkeiten als Letztes lesen. Motivisch sei der Zusammenhang der Bücher, weniger chronologisch, schreibt er. Moser streicht das Finstere und Tragische der Geschichte um Dämonen in den Köpfen der Korsen heraus, die sich in dem Buch morden, sexuell missbrauchen und immerfort eine Spirale aus Lüge, Hass und Gewalt antreiben. Die korsische Seele, wie sie Ferraris multiperspektivische Geschichtsschreibung offenlegt, ist das eine, was der Rezensent kennenlernt. Das andere sind exemplarische Täter-Opfer-Konstellationen, die für Moser allgemein von existenzieller Einsamkeit und Verzweiflung erzählen. In diesem Band nun geht es um die 1990er Jahre, in denen der Terror herrscht und Täter und Opfer weniger leicht zu unterscheiden sind, genau wie die Motive für die Gewalt. Dass alles auf Rache hinausläuft, über der der marokkanische Küstenstreifen Balco Antlantico als unerreichbare Hoffnung schimmert, lässt den Rezensenten einigermaßen betrübt zurück.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.12.2013

Die Mischung aus Erhabenem, Elend und Komik ist schon da, ebenso der Tresen irgendwo auf dem Felsen Korsika, wo sich nationalstolze Rebellen und Legionäre treffen, in diesem Roman aus dem Jahr 2008. Auch entdeckt Joseph Hanimann bereits die wie Wellen anbrandende Erzählbewegung, in der Ereignisse, Bilder, Schicksale und ganze Erzählebenen durcheinanderpurzeln.So weit, so gut. Auf der Höhe seines kompositorischen Könnens sieht er Jérôme Ferrari in diesem Buch allerdings noch nicht. Unvermittelte Rückblenden und andere zeitliche Irritationen, aber auch ein Zuviel an Erinnerung machen dem Rezensenten das Lesen schwer. Den großen Autor der Gegenwart, der etwa einen Roman wie "Predigt auf den Untergang Roms" hinbekommt, ahnt er dennoch schon hier, zumal die Übersetzung ihm überzeugend den Weg weist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2013

Es ist zwar der dritte Teil einer Trilogie, die das französische 20. Jahrhundert zum Thema hat, Rezensentin Sandra Kegel jedoch erfährt vieles von prinzipieller Gültigkeit aus diesem Buch des Goncourt-Preisträgers Jerome Ferrari. So kann Kegel die korsischen "Bar-Geschichten" um Freiheitskampf und allerhand gestrandete Gestalten mit Migrationsschicksalen auf das ewige Drama um Hoffnungen, Erinnerungen und Ängste bzw. auf den Ursprung des Daseins und seinen Untergang beziehen. Zusammengenommen ergibt das für Kegel allerdings ein "leuchtendes Epos" in konzentrierter Sprache und mit einer eigenwilligen Komik.
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