Jens Steiner

Hasenleben

Roman
Cover: Hasenleben
Dörlemann Verlag, Zürich 2011
ISBN 9783908777649
Gebunden, 287 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

"Und irgendwo stiegen eine Hasenmutter und ihre zwei Jungen wieder mal in einen Gully, zogen von unten den schweren Deckel über das Loch. ... Irgendwo würden sie wieder einen Deckel heben und ins Licht steigen. Und auspacken und neu anfangen. Immer wieder." Lili führt ein unstetes Leben, verdingt sich als Kellnerin, zieht mit ihren beiden Kindern durch die Schweiz. Sie träumt von einger guten Ausbildung, einem Familienleben, während sie die Nächste in dunklen Kellern durchtanzt, ihre Kinder sich selbst überlässt. Der kleine Werner streift unablässig durch Hotelflure und spioniert die Gäste aus. Er träumt davon zu sein wie seine ältere Schwester. Emma ist ruhiger, sitzt oft einfach am Fenster und ritzt an ihren Armen. In St. Moritz taucht eines Tages ein Mann auf, dessen Name allen dreien sehr bekannt vorkommt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2011

Rezensentin Pia Reinacher begreift das Romandebüt des Schweizer Autors und Lektors Jens Steiner als "Sozialstudie". Es geht darin um eine orientierungslose junge Frau und ihre zwei Kinder, schreibt Reinacher. Eine Vaterfigur fehle vollkommen, die Mutter sei hoffnungslos überfordert und die Kinder blieben sich selbst überlassen. Die Folgen: Der Sohn stirbt bei einem Unfall im Bad; die Tochter ritzt sich und tingelt später genauso haltlos durch ihr junges Leben wie einst die Mutter, berichtet die Rezensentin. In Steiners sachlich-kühlem Bemühen um eine "Bestandsaufnahme des gequälten Frauenlebens" erblickt Reinacher sowohl einen Vor- als auch einen Nachteil. Positiv wertet sie den Detailreichtum der Darstellung, den sie als Konsequenz des Ringens um ein Begreifen des Unbegreiflichen interpretiert. Der Nachteil: Den geschilderten Einzelheiten würde unterschiedslos das gleiche Gewicht beigemessen, bis sie sich schließlich allesamt im Erzählstrom verflüssigten - mit dem Resultat einer "zu glatten, leicht klischierten Oberfläche".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2011

Sibylle Saxer würdigt Jens Steiners Debütroman "Hasenleben" für seine unkonventionelle Erzählweise, wenn sie sich am Ende auch etwas enttäuscht zeigt, dass der Autor schließlich doch wieder auf traditionelleMuster einschwenkt. Erzählt wird in wechselnden Perspektiven eine Familiengeschichte, in der sich die problematische Vergangenheit der Mutter als Lebensmuster bei der Tochter fortsetzt, fasst die Rezensentin zusammen. Zunächst zeigt sie sich von der unversehens wechselnden Erzählperspektive, die für die Leser schwer zu fassen ist, fasziniert. Sie sieht damit die problematische Situation als alleinerziehende Mutter, die sich bei Tochter und Mutter wiederholende Fluchtbewegungen und das "Gleiten der Identitäten" sehr gelungen umgesetzt, wie sie lobt. Dieser Effekt allerdings wird irgendwann schal, und auch vom Ende der Mutter, deren Unangepasstheit schließlich doch schlicht in Krankheit mündet, ist sie wenig angetan. Das ist ihr dann doch wieder irgendwie zu traditionell.