Lange bevor in der Bundesrepublik ein breiteres Interesse für Lateinamerika entstand, wurden in der DDR bereits linke Autoren wie Pablo Neruda oder Jorge Amado publiziert. Später folgten Garcia Marquez, Fuentes, Cortazar und andere. Ging es in den ersten Jahren vor allem um Texte aus dem richtigen politischen Lager, öffnete sich das literarische Profil ab Mitte der 60er Jahre mehr und mehr zu einer weltoffenen Literatur. Das Buch untersucht die Bedeutung lateinamerikanischer Literatur in der DDR im Kontext ihrer vermittelnden Funktion zur Welt und ihrer Instrumentalisierung für politische Zwecke. Es zeichnet das widersprüchliche Verhältnis von staatlichen Vorgaben, Zensurpraxis und genutzten Handlungsspielräumen in den Verlagen anhand von Dokumenten und Zeitzeugenaussagen akribisch nach. Eine umfassende Bibliographie ergänzt dieses Werk.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.12.2004
Erfreut gibt sich der mit "stm" zeichnende Rezensent angesichts von Jens Kirstens "detailgenauen, an Quellen reichen Monografie", die sich mit dem recht merkwürdigen Phänomen der "Entdeckung lateinamerikanischer Dichtkunst" in der DDR beschäftigt. Dass diese Entdeckung sich jedoch nicht nur auf politisch korrekte (sprich linke) Autoren beschränkte, wird nicht nur so manchen überraschen, glaubt "stm", es zeigt auch, dass der DDR in manchen Belangen eine Vorreiterrolle zukommt. "Eingehend", wenn auch ein wenig "hölzern", beschreibe Kirsten das ständige "Tauziehen" zwischen propagandistischen Politbürokraten und subtil-subversiven Lektoren sowie die "Mechanismen von Zensur, Selbstzensur und Taktiererei". Zumindest im Fall der lateinamerikanischen Dichtung, so das zufriedene Fazit des Rezensenten, ist "das Klischeebild vom total repressiven System" der DDR nicht angebracht.
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