Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999
800 Seiten über einen Dichter, den sie wohl zu Recht vergessen findet, aber der ja immerhin auch mal Kulturminister der DDR war - Sabine Brandt zeigt sich in ihrer Kritik schon ein bisschen befremdet, dass ein Autor wie Dwars, der 1960 geboren ist, heute noch ein solches Interesse für Johannes R. Becher aufzubringen vermag. Aber letztlich hat sie den Band wohl doch mit Gewinn gelesen, vor allem weil Dwars noch einmal das Panorama des Literaturlebens in der frühen DDR malt und dabei all die geknechteten Dichterseelen zeigt. Becher schildert Brandt da als typisch: ein Bourgeois, der den bourgeoisen Vater hasst und aus der antiautoriären Revolte dann nur zu neuer Unterordnung in der Partei fand. Was sie Dwars allerdings nicht verzeiht, ist, dass er am Ende doch mit Becher sympathisiert. Eine böse interne Sitzung der DDR-Literaten im Jahre 1952 weiß sie ganz anders und wesentlich weniger positiv für Becher darzustellen als Dwars. Der Grund ist einfach: Sie war dabei.
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