Aus dem Französischen von Rolf und Hedda Soellner. Ein Schriftsteller spürt dem Rätsel um den berühmtesten Gefangenen auf St. Helena nach: Napoleon, dessen Tod bis heute rätselhaft ist. Wie ist einem Mann zumute, der mit 46 Jahren auf eine einsame Insel verbannt wird, eine Insel, die so abgelegen ist, daß man die Gefangenen dort bis heute nicht hinter Schloß und Riegel zu setzen braucht? Und wie verkraftet er die Nachricht, daß er dieses öde Eiland zu seinen Lebzeiten nicht mehr verlassen wird? Kauffmann ist wie kein zweiter begabt, "den Geruch der Gefangenschaft" aufzuspüren, denn er hat selbst als französischer Journalist drei Jahre in libanesischer Haft verbracht
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2000
Bevor Martin Lhotzky auf das Buch zu sprechen kommt, teilt er uns dankenswerterweise erst einmal mit, wo genau St. Helena eigentlich liegt: "Zirka 900 Seemeilen sind es nach Afrika, ungefähr 220 Seemeilen nach Südamerika, zum Meeresgrund ist es etwas näher." Das Buch selbst findet Lhotzky etwas schwierig einzuordnen - ist es ein Reisetagebuch? Eine Biografie? Es hat "von alldem etwas, eine anspruchsvolle und unterhaltsame Lektüre", lobt er schließlich. Lhotzky würdigt referierend die Anekdoten, Landschaftsbetrachtungen und Gespräche mit Mitreisenden, die Kauffmann beschrieben hat. Besonders hebt der Rezensent die Beschreibung der "olfaktorischen Eindrücke" hervor. Und auch von einer Kuriosität weiß er zu berichten: Auf der britischen Insel St. Helena, obwohl kaum 122 Quadratkilometer groß, gibt es eine winzige französische Enklave, eben das Stückchen Erde, auf dem Napoleons Gefängnis Longwood steht. Nach Kauffmann gebietet darüber Michel Martineau, Konsul Frankreichs. Die französische Regierung bestreitet jedoch die Existenz eines Konsuls auf St. Helena, hat Lhotzky recherchiert. Wer es genau wissen will oder Fragen zu Napoleons Tod hat, kann Monsieur Martineau jedoch selbst anschreiben: Michel Martineau, Longwood House, Île de St.-Hélène, Atlantique Sud.
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