Jean-Patrick Manchette

Westküstenblues

Roman
Distel Literaturverlag, Heilbronn 2002
ISBN 9783923208623
Kartoniert, 170 Seiten, 10,80 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Stefan Linster. Georges Gerfaut, leitender Angestellter in Paris, macht mit seiner Familie Urlaub am Atlantik. Beim Baden im Meer versuchen plötzlich zwei unbekannte Männer, ihn umzubringen. Er weiß nicht warum. Sein ganzes Leben ändert sich, als Gerfaut erkennt, dass zwei Killer auf ihn angesetzt wurden ...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2002

In einer Doppelbesprechung macht uns Rezensent Tobias Gohlis mit der literarischen Welt des 1995 verstorbenen französischen Kriminalautors bekannt, eine Welt, "die keinen Fortschritt kennt". Gohlis sieht zwischen beiden "romans noirs" Parallelen, denn beide handeln sie von "einer einzelnen Person, in deren friedvoll-illusionäre Existenz die strukturelle Gewalt einbricht", aus der es kein Entkommen gibt. Wie die Figuren von Bret Easton Ellis seien auch Manchettes Figuren "Bestandteil des Warenkreislaufs", nur durch "Äußerlichkeiten" charakterisiert, und ihre angestaute "Wut" kenne nur einen Ausdruck: die "explosive, exzessive Gewalt". Bei der Beschreibung dieser Gewalt, so der Rezensent, lege Manchette eine geradezu "obsessive Detailgenauigkeit" an den Tag, doch verfolgen seine dem Italowestern ähnlichen "Gewaltorgien" ein anderes "ästhetisches Ziel". Der Erzähler agiere als ein "Kameraobjektiv", das das menschliche "Verhalten" einfängt, und überlasse das Kommentieren dem Leser. Darüberhinaus "verstößt" Manchette "systematisch gegen die alle Erfordernisse des Genres, unterläuft Klischees, bricht Lesegewohnheiten", was er provozierend "litterature mineure" nenne (mit einem Wortspiel, das 'minder' und 'untergrabend' verbindet). Houellebecq sei dagegen "schwacher Abklatsch", meint Gohlis und fügt hinzu: "Wer Manchette nicht gelesen hat, weiß nicht, wie außerordentlich Krimi sein kann."