Jean Daive

W

Erzählung des Gleichgewichts 4. Deutsch - Französisch
Cover: W
Urs Engeler Editor, Basel 2006
ISBN 9783938767061
Gebunden, 181 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Werner Hamacher. "W" ist die Aufschrift auf einem Papierbündel und einem Paket, in dem eine störende Schwester, ein stummer Vater, eine entfernte Mutter auf die Post gebracht und verschickt werden, um vom Adressaten - einem Leser - Stück für Stück einverleibt zu werden. W, ein gezahnter Buchstabe, ist sein Biß. Er richtet sich gegen alles, was W sonst noch ist oder andeutet: das Weiß, auf das es geschrieben ist, Wien als den Ort einer bestimmten, Psychoanalyse genannten Hör- und Sprechpraxis, das Weh, das mit der Sprache und mit ihrem Fehlen verbunden ist - er richtet sich gegen sie, um sie (vor sich selbst) zu bewahren. W, das Gedicht, ein paranalytischer Parcours, eine Übung in gehemmter Dissoziation, eine stenographische Erzählung von einem, der sich zur Sprache zu bringen versucht und, da er viele ist, nur zu verschiedenen, geteilten und widersprüchlichen Sprachen kommen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.04.2007

Rezensent Manfred Schneider ist schon gespannt auf eine angekündigte Inszenierung des lyrischen Zyklus am Frankfurter Schauspielhaus. Die bloße unvorbereitete Lektüre sei hingegen eine rätselhafte Begegnung, die nur dank eines ausführlichen und hervorragenden Kommentars des Übersetzers wirklich fruchtbar werde. Denn Jean Daive, erläutert uns der Rezensent, gehöre zu den ganz großen Dichtern wie Beckett, Celan oder Blanchot, die am Rande des Schweigens schrieben. Der modernen Poesie bleibe keine andere Möglichkeit angesichts des "Allessprechens? der heutigen Medienwelt. Dennoch erkennbar an den Gedichten sei eine quasi personenlose Stimme, die die "Ereignisse einer Biografie aufrufe?. Dabei gehe es aber gerade nicht um eine Art Ausgrabungsarbeit psychoanalytischer Ausrichtung, vielmehr um einen "Prozess? des  "Worterwerbs?. Solche Poesie, so der Rezensent, sei zunehmend "reine Schöpfung? und habe sich selbst zum Gegenstand.

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