Schinkel, im Preußen der wichtigen dreißiger Jahre der höchste Baubeamte (er starb 1841), war zwischen Romantik und Industrieller Revolution als Architekt und Politiker sowohl rückwärts- wie vorwärtsgewandt. Seine unvergleichlich schönen Adaptionen klassischer antiker Vorbilder machten ihn bei seinen Zeitgenossen und Auftraggebern zum Lieblingsarchitekten, seine aus Reisen nach England und Frankreich gewonnenen Maßstäbe einer zeitgemäßen, der industriellen Entwicklung und Produktionsweise entsprechenden Architektur waren zwar weniger populär, begründeten aber seinen bisheute legendären Ruf als Vordenker der architektonischen Moderne. Schinkel war mit allen großen Bauvorhaben seiner Zeit vertraut, auch mit den damals mächtig anwachsenden Projekten im Transportwesen (Chaussee- und Kanalbau). Merkwürdigerweise ist bisher nicht weiter untersucht worden, ob und wie sich Schinkel mit dem damals modernsten und revolutionärsten Transportmittel, der Eisenbahn, und den damit zusammenhängenden Baumaßnahmen (Bahnhöfe, Gleisanlagen, Schienenstränge und deren stadträumliche Anbindung) befasst hat. Reinhart Strecke, Kunsthistoriker und Kenner der Schinkelzeit, hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.11.2008
Großartig an dieser Studie über Schinkel und den ersten Eisenbahnhof Berlins findet Jens Bisky, dass der Autor ein Licht auf die praktische Seite von Schinkels Schaffen wirft und den preußischen Architekten als Künstler wie als Ingenieur, als großen Klassizisten und zugleich als Wegbereiter der Moderne zeigt. Nebenher lernt Bisky, wie funktionale Anforderungen in Architektur und Organisation die hierarchische Teilung der Gesellschaft langsam unterlaufen und wie sich dieser Prozess in den bürokratischen Auseinandersetzungen um den Bau niederschlägt. Dass Reinhart Strecke darüber anregend und kenntnisreich zugleich informiert, überzeugt den Rezensenten restlos.
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