Aus dem Katalanischen von Kirsten Brandt. Was geschah wirklich am 18. Oktober 1944 in dem Pyrenäenort Torena? Als Tina Bros sechs Jahrzehnte später in der alten Dorfschule ein hinter der Schiefertafel verborgenes Tagebuch entdeckt, ahnt sie nicht, dass sie an Dinge rührt, die in ihrer Verquickung aus Schuld und Scham, aus Leidenschaft und Fanatismus das ganze Drama einer schlimmen Zeit spiegeln. Noch weniger ahnt sie, dass der Schatten von damals bis in ihre eigene Gegenwart ragt. In den Händen hat sie die Lebensgeschichte des Dorfschullehrers Oriol Fontelles, einen langen Brief an seine Tochter, der diese nie erreicht hat, die Bitte, von ihr und der Nachwelt nicht verurteilt zu werden. Tina, deren eigenes Leben in Unordnung geraten ist, setzt alles daran, herauszufinden, was damals tatsächlich geschah. Sie erfährt von Oriols tragischer Liebesbeziehung zu der schönen und mächtigen Elisenda Vilabru, deren Vater und Bruder zu Beginn des Bürgerkriegs von Anarchisten ermordet wurden, davon, wie Elisenda in ihrem Bedürfnis nach Rache alle Fäden zieht und wie ihr Geliebter Oriol Fontelles als heimlicher Widerständler ein gefährliches Doppelspiel beginnt, das in der Dorfkirche von Torena sein schicksalhaftes Ende findet. Für Tina Bros jedoch ist die Geschichte nicht beendet, denn alter Hass und alte Leidenschaften gären weiter, die Vergangenheit ist nicht vergangen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.04.2008
Die komplexe Handlung und die nicht minder schwierige Struktur des Romans von Jaume Cabre hat der Rezensentin einiges an Geduld abverlangt. Schließlich aber erscheint ihr die vor dem Hintergrund des felsigen Kataloniens und des spanischen Bürgerkriegs angesiedelte Geschichte um einen zwischen Falangismus und Widerstand schwankenden Mann wie ein "kühn geschnittener Film". Das Buch liest sie als Liebesgeschichte, aber auch als zeitlose politische Tragödie, die dem Leser Einsichten in die Wirkungsweise von Ideologien zu vermitteln vermag.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.11.2007
Jaume Cabres Roman über die düstere Zeit des spanischen Bürgerkriegs, der Franco-Diktatur und deren Spätfolgen bis heute hat Kersten Knipp tief beeindruckt. Auch wenn das Buch als Beitrag zu den aktuellen Debatten um die spanische Geschichtspolitik gelesen werden kann, versteht er es keinesfalls als Thesenroman. Dafür scheint ihm das Buch, das in vielen verwickelten Geschichten die Biografien mehrerer Generationen lebendig werden lässt, viel zu "kunstvoll". Besonders lobt Knipp die erzählerischen Fähigkeiten des Autors, sein souveränes Spiel mit Wechseln von Zeiten und Ebenen, und das eindringliche historische Panorama, das er zeichnet.
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