Janice Pariat

Ein Herz mit neun Kammern

Roman
Cover: Ein Herz mit neun Kammern
Secession Verlag, Zürich 2019
ISBN 9783906910574
Gebunden, 190 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Malte F. Rauch. Neun Personen erinnern sich an eine junge Frau - dieselbe junge Frau -, die sie geliebt haben oder die sie geliebt hat. Sie ist der abwesende Mittelpunkt dieses Romans, das Gravitationszentrum, um das die neun Ich-Erzähler kreisen, ohne ihm wirklich nah zu kommen, das Du, in dem sich immer auch das Ich spiegelt. Ob es der Kunstlehrer, der erste Freund, die Kommilitonin oder der verheiratete, ältere Liebhaber ist, jeder sieht nur einen Teil, eine Facette der jungen Frau. Neun Perspektiven, neun Stimmen zwischen Asien und Europa, in namenlosen und doch vertrauten Städten, die einander überlagern, sich ergänzen und sogar widersprechen und die erst im mehrstimmigen Chor vom Leben der Protagonistin erzählen können, von ihrer Erziehung des Herzens. Ein Herz mit neun Kammern ist der Blick in ein Kaleidoskop, in dem das Objekt der Begierde immer wieder anders, in einem Moment blendend real und greifbar erscheint und es im nächsten Moment wieder verdunkelt und verschwimmt. Janice Pariats Roman handelt von der vielschichtigen Identität, davon dass andere uns nie ganz sehen, nur Fragmente, und davon, dass wir dazu neigen, zu dem zu werden, was andere von uns wahrnehmen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.06.2019

Schon wenn Rezensentin Renate Wiggershaus im ersten der zehn Abschnitte des zweiten Romans der indischen Schriftstellerin Janice Pariat von "tausend Kranichen in reinem Weiß" begrüßt wird, erkennt sie die Poesie dieses eigenartigen Buches. Aus zehn Perspektiven nähert sie sich hier einer namenlosen jungen Frau, die im Text nie selbst auftritt, sondern nur in den Berichten der Menschen gespiegelt wird, die eine Beziehung zu ihr pflegen. Und auch wenn der Roman keine Rahmenerzählung hat und Stile und Erzählformen von Brief über Protokoll und Filmscript bis hin zum Selbstgespräch mixt, ist die Kritikerin Pariats Heldin am Ende der Erzählung ganz nahe: Denn die Autorin schreibt nicht nur gnadenlos im Präsenz, sondern lässt uns im "Perspektivregen" ihrer Ichs auch tief in die Seele ihrer Heldin blicken, schließt die Rezensentin.
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