Jan-Werner Müller

Straße, Platz, Palast

Zur Architektur demokratischer Räume
Cover: Straße, Platz, Palast
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518001356
Broschiert, 267 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michael Bischoff. Mit zahlreichen Abbildungen. Menschen gehen auf die Straße. Die Öffentlichkeit wird als Marktplatz der Ideen beschrieben. Parlamente aus Glas verheißen politische Transparenz: Im Sprechen über Politik greifen wir häufig auf Metaphern aus und Bezüge zu Architektur und Städtebau zurück. Und tatsächlich preisen "Starchitekten" ihre Entwürfe als Beiträge zum Gelingen der Demokratie an. Aber gibt es wirklich so etwas wie eine demokratische Architektur? In seinem neuen Buch verknüpft Jan-Werner Müller die Geschichte von Städtebau und politischem Denken. Er reist in die Antike und betrachtet die Realität hinter oftmals idealisierten Orten wie der Agora oder dem Forum. Er untersucht kritisch das Symbol deutscher Demokratie, die viel gepriesene Reichstagskuppel in Berlin, er inspiziert Planstädte in der ägyptischen Wüste und Louis Kahns brutalistisches Parlamentsgebäude in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka. Am Ende dieser Tour d'Horizon stehen sieben Bausteine für das Denken über Demokratie und Architektur. Und die Einsicht, dass eine demokratische Architektur den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder die Möglichkeit geben muss, sich gegenseitig aus überraschenden Blickwinkeln wahrzunehmen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 01.06.2026

Eigentlich ist Jan-Werner Müller Politikwissenschaftler und doch schreibt er hier über Architektur, staunt Rezensentin Silke Hennig. Dieser "Brückenschlag" führt allerdings in seinem neuen Buch zu aufschlussreichen Ergebnissen: Am Beispiels des Parlaments von Bangladesch in Dhaka zeigt Müller, wie Demokratie in Orten konkret wird. Das von Louis Kahn gebaute Gebäude wird von der Bevölkerung als "Gewissen" der Nation betrachtet, so Hennig. Generell geht es ihm nicht nur um Stil-, sondern auch um Grundsatzfragen: Was bedeutet es, wenn Macht räumlich abgeschirmt wird? Wie der Autor das Wort "Sichtbarkeit" bewertet, nämlich als "Schlüsselbegriff" für eine demokratische Gesellschaft, in der sowohl der Staat als auch das Volk in Teilen "sichtbar" sein müssen, leuchtet der Kritikerin ein. Damit geht die Erkenntnis einher, dass öffentliche Plätze, auf denen demonstriert werden kann, für eine demokratische Architektur unerlässlich sind. Auch die Verbindungen, die Müller zu digitalen Räumen und zu historischen Vorbildern zieht, findet sie äußerst anregend. Für sie stellt dieses Buch wichtige Fragen mit dem nötigen Tiefgang. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2026

Die hier rezensierende Kunsthistorikerin Charlotte Klonk gibt sich mit dem Buch des Politikwissenschaftlers Jan-Werner Müller und seinem eher allgemeinen Fazit zufrieden. Die enthaltenen "Gedankenspiele" demokratietheoretischer Art und die vielen empirischen Beobachtungen des Autors von der Agora der Antike bis zu den Plätzen der Demokratieberwegungungen unserer Zeit regen sie zum Selberdenken an. Ist das nicht wesentlicher Teil der Demokratie? Dass Müller manch wunderliches Urteil fällt, wenn er nach Zusammenhängen zwischen Architektur und Demokratie fahndet, findet Klonk verzeihlich. Erkenntnisse wie die über die Anonymität der Straße als Basis für Protest und Widerstand wiegen dergleichen allemal auf, meint sie.