Jan Assmann

Herrschaft und Heil

Politische Theologie in Altägypten, Israel und Europa
Carl Hanser Verlag, München 2000
ISBN 9783446198661
Gebunden, 344 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Der renommierte Ägyptologe Jan Assmann über die politische oder theoretische Legitimation von Herrschaft. Wie seine Studien zu den Wurzeln der Religionen Ägyptens und Israels zeigen, fanden die Staaten- und Rechtsbildungen vor der Entwicklung der religiösen Weltbilder statt. Fundamentale Prinzipien wie Gerechtigkeit, Macht, Solidarität, Schuld, Gesetz und Recht wurden zuerst im Politischen umgesetzt, bevor sie ins Religiöse und Theologische transformiert wurden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2000

Erik Hornung weist darauf hin, dass in diesem Band Vorträge aus den Jahren 1992 bis 1999 versammelt sind und nur drei der Beiträge bisher noch nicht veröffentlicht waren, wodurch es zu einigen Wiederholungen komme. Dennoch hat er das Buch offenbar mit großem Gewinn gelesen. Er bescheinigt dem Autor eine große Souveränität bei der Beleuchtung der "theologischen und politischen Hintergrunds von Macht", lobt die Eröffnung neuer Sichtweisen, den Tiefgang der Darstellung und eine Erweiterung des "allzu engen, eurozentrisch geprägten Horizonts". Darüber hinaus hebt er Assmanns Auswertung zahlreicher Quellen hervor und dass es dem Autor gelinge, mit zahlreichen althergebrachten Klischees aufzuräumen, etwa dem, dass es sich bei Pharaonen um Tyrannen gehandelt habe, die "das Volk versklavt" hätten. Hier habe der Autor beispielsweise deutlich gemacht, welch wichtige Rolle der Konsens bei den Ägyptern gespielt habe, ein Konsens, dem selbst die "Götter verpflichtet" waren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.04.2000

An dieser breit historisch angelegten Studie Altägyptens aus der Feder des "großen Stilisten" interessiert Peter Michalzik in einer ausführlichen Besprechung vor allem die Auseinandersetzung, die Assmanns Arbeit mit der "berüchtigten politischen Theologie" Carl Schmitts ermöglicht. Während für Freud die Entdeckung des ägyptischen, durch Echnaton eingeführten Monotheismus der "Sündenfall" ist und ihm die Frage nach dem Schuldkomplexes des Judentums klären half, geht Assmann, schreibt Michalzik, "einen Schritt weiter". Indem er nämlich den historischen Moment des Übergangs von Echnaton zu Moses als Auseinandersetzung zwischen konservativer und liberaler Gesellschaftsauffassung entwirft, "historisiert" er Schmitts "normative Setzung" einer höheren, göttlichen Rechtfertigung von Herrschaft. Michalzik ist fasziniert von dieser dem Autor gelungenen Ersetzung der Schmittschen "Politik als säkularisierte Religion" durch die Idee einer "Religion als sakralisierte Gesellschaft". Dennoch findet der Rezensent bemerkenswert, wie sich die Sympathie des Autors recht gleichmäßig auf beide Seiten verteilt - hier Ägypten, das für Schmitt, und da Israel, das gewissermaßen für Habermas stehen kann - und keine Lösung des Widerspruchs findet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2000

Sehr differenziert setzt sich Heinz Schlaffer mit dem neuen Buch von Jan Assmann, "Ägyptologe vom Fach her, Kulturtheoretiker dem Anspruch nach" auseinander, dessen "souveräne Gelehrsamkeit, gedankliche Klarheit und ungewöhnliche Darstellungsfähigkeit" ihn überzeugt haben. Nicht ohne Widerspruch, was man auch als Beleg für die Prägnanz von Assmanns kultureller Hermeneutik werten kann, zeichnet der Rezensent den Versuch des Ägyptologen nach, imaginäre Konzepte von Macht und Herrschaft sowie ihre sozialen Bedingungen im alten Ägypten zu untersuchen. Dort sehe Assmann in der Person des Pharao "die Einheit von `Herrschaft und Heil` idealtypisch verkörpert" Dabei leitet Schlaffer die Relevanz dieser Fragestellung von Carl Schmitts Begriff der `politischen Theologie` ab, mit der sich auch Assman in der Einleitung seines Buches befasse.