James Hamilton-Paterson

Kochen mit Fernet-Branca

Roman
Cover: Kochen mit Fernet-Branca
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2005
ISBN 9783608937602
Gebunden, 364 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möhring. Gerald Samper lebt in der Toskana. Er ist Ghostwriter für reiche B-Promis. Doch sein Ehrgeiz ist, als Createur erlesener Speisen in die Geschichte einzugehen. Seine Rezepte sind eigenwillig: Muscheln in Schokolade, Knoblauch- und Fernet-Branca-Eis, Fischotter mit Dörrpflaumen und Rhabarber. Eines Tages wird seine Einsamkeit von einer neuen Nachbarin gestört. Die stattliche Marta ist - in seinen Augen - eine vulgäre Person aus einer dieser ehemaligen Sowjetrepubliken, in denen es nur so von Gangstern wimmelt. Aber, so behauptet sie, sie ist Komponistin von Filmmusik. Gerald glaubt kein Wort. Die gespannten nachbarlichen Beziehungen, wechselweise aus Martas und Geralds Sicht kommentiert, gründen von Anfang an auf Missverständnissen, eskalieren und nehmen immer groteskere Formen an. Schwarze Helikopter in der Nacht, sentimentale Musik aus Martas obskurer Heimat, und immer Fernet-Branca. Mit entsprechenden Folgen. Geralds Versuche, seine Einsamkeit zurückzuerlangen, scheitern. Im Gegenteil. Eine Katastrophe ist unvermeidlich...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2006

James Hamilton-Petersons Roman über einen ausgewanderten Briten in der Toskana, die in England auch unter "Chiantishire" bekannt ist, hat Georg Sütterlin ungetrübtes Vergnügen bereitet. Der Autor richtet seinen Sarkasmus offenbar so ziemlich gegen jeden, der ihm vor die schriftstellerische Flinte läuft. Der Held Gerald Samper hat sich als Ghostwriter in die Toskana zurückgezogen, entwirft leidenschaftlich Kochrezepte und verfeindet sich mit seiner Nachbarin Marta, die Filmmusik komponiert. Die eingestreuten Rezepte etwas für Knoblauch-Fernet-Branca-Eis sind aber nicht ernst gemeint, versichert Sütterlin, sondern vielmehr eine Satire auf die "modischen" Romane voller Kochtipps. Auch "Olivenölsnobs" bekommen ihr Fett weg, und die "subtil gezeichneten" Künstlerfiguren Gerald und Marta erscheinen dem Rezensenten zu "blasiert", um sie wirklich zu mögen. Das alles aber ist beabsichtigt und zur vollen Befriedigung Sütterlins ausgeführt, der sich über die "zahllosen Bosheiten" ebenso freut wie über das "Höchstmaß an Komik", das Hamilton-Peterson aus der Geschichte herausholt. Die stilistische Sicherheit und sprachliche "Prägnanz" des Autors findet in der Übersetzung von Hans-Ulrich Möhring glücklicherweise auch einen "brillanten Gegenpart".
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