Aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möhring. Gerald Samper lebt in der Toskana. Er ist Ghostwriter für reiche B-Promis. Doch sein Ehrgeiz ist, als Createur erlesener Speisen in die Geschichte einzugehen. Seine Rezepte sind eigenwillig: Muscheln in Schokolade, Knoblauch- und Fernet-Branca-Eis, Fischotter mit Dörrpflaumen und Rhabarber. Eines Tages wird seine Einsamkeit von einer neuen Nachbarin gestört. Die stattliche Marta ist - in seinen Augen - eine vulgäre Person aus einer dieser ehemaligen Sowjetrepubliken, in denen es nur so von Gangstern wimmelt. Aber, so behauptet sie, sie ist Komponistin von Filmmusik. Gerald glaubt kein Wort. Die gespannten nachbarlichen Beziehungen, wechselweise aus Martas und Geralds Sicht kommentiert, gründen von Anfang an auf Missverständnissen, eskalieren und nehmen immer groteskere Formen an. Schwarze Helikopter in der Nacht, sentimentale Musik aus Martas obskurer Heimat, und immer Fernet-Branca. Mit entsprechenden Folgen. Geralds Versuche, seine Einsamkeit zurückzuerlangen, scheitern. Im Gegenteil. Eine Katastrophe ist unvermeidlich...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2006
James Hamilton-Petersons Roman über einen ausgewanderten Briten in der Toskana, die in England auch unter "Chiantishire" bekannt ist, hat Georg Sütterlin ungetrübtes Vergnügen bereitet. Der Autor richtet seinen Sarkasmus offenbar so ziemlich gegen jeden, der ihm vor die schriftstellerische Flinte läuft. Der Held Gerald Samper hat sich als Ghostwriter in die Toskana zurückgezogen, entwirft leidenschaftlich Kochrezepte und verfeindet sich mit seiner Nachbarin Marta, die Filmmusik komponiert. Die eingestreuten Rezepte etwas für Knoblauch-Fernet-Branca-Eis sind aber nicht ernst gemeint, versichert Sütterlin, sondern vielmehr eine Satire auf die "modischen" Romane voller Kochtipps. Auch "Olivenölsnobs" bekommen ihr Fett weg, und die "subtil gezeichneten" Künstlerfiguren Gerald und Marta erscheinen dem Rezensenten zu "blasiert", um sie wirklich zu mögen. Das alles aber ist beabsichtigt und zur vollen Befriedigung Sütterlins ausgeführt, der sich über die "zahllosen Bosheiten" ebenso freut wie über das "Höchstmaß an Komik", das Hamilton-Peterson aus der Geschichte herausholt. Die stilistische Sicherheit und sprachliche "Prägnanz" des Autors findet in der Übersetzung von Hans-Ulrich Möhring glücklicherweise auch einen "brillanten Gegenpart".
Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Szczepan Twardoch: Sehnsucht Aus dem Polnischen von Olaf Kühl. Erwin Piontek, Bergmann im Ruhestand, geht seinen Lebenstraum - eine Weltumseglung - bescheiden an: im Boot auf einem Stausee. Doch während… Christine Wunnicke: Wachs Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…