James Bridle

New Dark Age

Der Sieg der Technologie und das Ende der Zukunft

Klappentext

Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn. Eine japanische Touristenfamilie folgt an der Küste Australiens ihrem Navi bis in den Ozean, obwohl die Straße längst verschwunden ist. Auch die Ranger im Death Valley in Arizona kennen dieses Phänomen, dass Ortsfremde der Technik mehr vertrauen als den eigenen Sinnen. Sie haben sogar einen eigenen Begriff dafür: "Tod durch GPS". Doch dieser makabre "automation bias" ist nur ein Gleichnis für die Lage, in der sich die Menschheit heute befindet. Während neue Technologien immer schneller und immer massiver bis in die letzten Winkel unseres Lebens vordringen, sind wir immer weniger dazu in der Lage, sie unseren Erfordernissen anzupassen. Sie sind längst zu einer Bedrohung für humane Lebensformen geworden. In einer rasanten Tour de Force führt uns James Bridle durch die technologischen Dystopien der Gegenwart - vom Klimawandel und dem Internet bis zur Automatisierung der Arbeitswelt und der omnipräsenten Datenerfassung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.10.2019

Thomas Fromm bekommt mit dem Buch des Netztheoretikers James Bridle eine kritische, wenngleich nicht unbedingt theorielastige Auseinandersetzung mit den heißen Themen unserer Zeit: Trump, Klima, Youtube, Rechtsextremismus, Militarisierung, Cloud, Computerisierung, Überwachung. Dass der Autor mitunter etwas unterkomplex und allzu plakativ an die Sache herangeht, möchte Fromm gar nicht bestreiten. Bridles mit Fotos gespickte dystopische Bilanz der Gegenwart scheint Fromm allerdings insgesamt nachdenklich und souverän genug.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.09.2019

Den Lobeshymnen, die etwa der New Yorker auf James Bridles "New Dark Age" singt, kann sich Rezensent Burkhard Müller nur bedingt anschließen. Die These, dass die Technologie ähnlich dem Klimawandel all unsere Lebensbereiche umfasst, allerdings noch nicht alles verloren ist, liest Müller nun wirklich nicht zum ersten Mal. Auch dass der Künstler und Autor, der über künstliche Intelligenz promovierte, meist schwarz sieht, ohne die Chancen der Neuerungen zu benennen, findet der Kritiker bedauerlich. Zwar erhält er hier viele spannende Einblicke, etwa zur gigantischen Größe von Datencentern oder zu Verschwörungstheorien; bei der Menge an Exkursen und Informationen, die Bridle hier ausbreitet, verlieht Müller allerdings oft den Überblick. Der gelegentlich allzu moralische Thunberg-Ton und die seiner Ansicht nach "hölzerne" Übersetzung stören den Rezensenten ebenfalls.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 31.08.2019

Christoph Drösser lässt die Lektüre von James Bridles Buch etwas ratlos zurück. Dass der Autor keine einfachen Lösungen anbietet, wie das Problem sich verselbständigender Algorithmen zu lösen wäre, scheint ihm allerdings auch folgerichtig, denn Bridle ist "kein Maschinenstürmer". Wenn der Autor auf Bildung statt auf bloßes Verstehen technischer Zusammenhänge setzt, um den "Schmuddelecken" von YouTube und dem Machbarkeitsdenken zu begegnen, findet Drösser das fast altmodisch. Die Beispiele im Buch für das neue dunkle Zeitalter scheinen Drösser allerdings wirklich aufrüttelnd.