Jamal Tuschick

Bis zum Ende der B-Seite

Roman
Cover: Bis zum Ende der B-Seite
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783518123331
Kartoniert, 185 Seiten, 9,00 EUR

Klappentext

Jamal Tuschick erzählt von ungleichen Zwillingsbrüdern: Der Ich-Erzähler wächst bei seinen Eltern in Kassel auf, Kaiman, der Bruder, bei seinen Großeltern im Schwäbischen. Der Roman beginnt mit der Schilderung des kleinbürgerlich-proletarischen Kasseler Milieus, der Jugendgang um den sagenhaften "Lord", den Ausbruchsversuchen des Erzählers, seinen ersten sexuellen Erfahrungen. Kaimans Jugend dagegen war behütet, er wurde frühzeitig auf eine bürgerliche Existenz vorbereitet, die er ohne Selbstzweifel durchlebt: "Er hat in Mailand zu Mittag gegessen."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.05.2004

An "Kraft, Unsentimentalität und Präzision" habe dieses Buch in der deutschen Gegenwartsliteratur kaum seinesgleichen, befindet ein überzeugter Jörg Plath über Jamal Tuschik Romans "Bis zum Ende der B-Seite". Wie seine ersten beiden Romane handle auch Tuschiks drittes Buch, in dem er die Autobiografie eines vierzigjährigen Kleinbürgers erzähle, vom Überleben in der Provinz, berichtet Plath. Er vergleicht Tuschiks Erzählweise mit der von Marieluise Fleißer und Ödön von Horvath: "schneidend, beißend, sezierend, vollends unsentimental", schreibt Plath, berichte Tuschik von seinem Helden und dessen grauen Alltag in Hessen, "mit einem Blick für Sozialtypologien und in einem kunstvollen Jargon, der eine Mischung ist aus Herkunft und Wahl, Beklemmung und Befreiung, Konkretion und Soziologica". Auch wenn der Roman im zweiten Teil und besonders im Abschnitt über jenen Club, in dem der Roman ende, auf den Rezensenten etwas "fahrig" wirkt, hat ihn das Buch insgesamt überzeugt. Denn: "Welcher Erzähler", so der Rezensent, "wusste zuletzt von den Erniedrigten und Beleidigten mit solch kaltem und zugleich historisch informiertem Blick zu erzählen?"
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.01.2004

Ein "schöner Poproman" hätte es werden können, ein einspuriger Roman ist es geworden, meint Rezensent Gustav Mechlenburg. Anlässlich eines Familienfestes lässt Jamal Tuschicks Ich-Erzähler die letzten dreißig Jahre Revue passieren, und was dabei herauskommt, so unser Rezensent, ist die "schonungslose Selbstdarstellung eines Zweitklassigen". Denn der Ich-Erzähler sei vollkommen "unauffällig und glanzlos" und nur deshalb "unangepasst", weil "er den Anschluss verpasst hat". Also, folgert der Rezensent, an und für sich "ein reizvoller Ich-Erzähler" - der seine Bedeutungslosigkeit damit kompensiert, dass er zum Räsonierer wird, in dessen scharfem Blick ein "provinzielles Kasseler Panorama mit asozialem Einschlag" entsteht. Doch das "rundumschlagende Allesverstehen" des Helden nimmt keine konstruktiven Formen an, klagt Mechlenburg, im Gegenteil, es wächst sich aus zu einer "konsequenten Ablehnung jeglicher Lebensentwürfe", die schon "ans Krankhafte grenzt". Dem Leser bleibe nichts anderes übrig, als zuzuschauen, wie "die jugendliche Untüchtigkeit zu vergrübelter Übellaunigkeit" werde, denn es ändere sich, von der wachsenden Ratlosigkeit einmal abgesehen, nichts. Schade um Tuschicks "wunderbare Kurzcharakterisierungen", lesen wir: Das Buch krankt an der übermäßigen "Konsequenz in der Erfüllung der Charakterzüge seines Helden". "Ein wenig mehr Schmackes", schließt der Rezensent, und das Buch hätte "schön ätzend" werden können - ist es aber nicht.
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