Fünf moderne Märchen über Menschen, die sich mehr in ihren Bildern vom Leben als im Leben aufhalten, die den unberechenbaren Folgen eines Erkenntnisgewinns die gewohnte Beschränktheit vorziehen, die sich lieber blind den Kopf einrennen, als einen Blick auf sich selber zu wagen - Menschen also wie Sie und ich. Davon erzählt Arjouni lustig, schnörkellos, melancholisch, klug.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.05.2003
Ganz und gar nicht begeistert ist Kristina Maidt-Zinke von Jakon Arjounis neuen Buch, das erstmals kein Krimi ist. Seine neue Rolle als Märchenonkel steht ihm gar nicht, das Ergebnis laboriert nach Ansicht der Rezensentin an "kunstgewerblicher Menschelei". Zwar erscheint der Märchenanteil seiner Geschichten auf den ersten Blick "so ironisch gebrochen", wie man es von einem abgebrühten Angehörigen seiner Generation erwartet, aber letztlich steckt doch eine "aufgesetzte Naivität" dahinter, die das Erzählte wenig glaubhaft wirken lässt, so Maidt-Zinke. Sie vermutet, dass Arjouni damit sicher sein Publikum findet "in einer Ära der Zukunftsängste und des schlechten Gewissens", doch seiner schriftstellerischen Weiterntwicklung tue er damit keinen Gefallen. Sie konstatiert als Triebfeder hinter Arjounis neuem Werk "eine literarische Orientierungslosigkeit, die aus Mangel an Courage und Inspiration ihr Heil in der Lebensberatung sucht".
Arjouni ist mit den fünf Gegenwartsmärchen, die ganz ohne jeden "Fantasy-Firlefanz" auskommen, etwas "Verblüffendes" gelungen, so Martin Lüdke. Aufhänger ist eine Fee, die Wünsche erfüllen kann, jedoch nur solche, die nicht in die Bereiche "Unsterblichkeit, Gesundheit, Geld und Liebe" fallen , zitiert der Rezensent. Laut Lüdke richtet der Autor ein besonderes Augenmerk auf die "Rückkopplungseffekte, die ein punktueller Eingriff im Ganzen" erzeugen können. Der Rezensent beschreibt die Geschichte von Max, der sich wünscht, dass sein Chef auf ihn hört, damit eigentlich die Firma retten will und am Ende um seinen Job bangen muss. "In alten Märchen" musste die "Realitätsebene gewechselt werden", Arjouni schließt diesen "Sprung" ins Irreale von vornherein aus und kommt zu einem überraschenden Ergebnis, versichert Lüdke. Arjounis Märchen zeigten das Irrationale gerade in der scheinbar durchrationalisierten Welt durch ihre "ebenso unerwünschten wie unerwarteten Nebenfolgen eines bis ins Detail durchgeplanten Handelns".
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