Jakob Arjouni

Hausaufgaben

Roman
Cover: Hausaufgaben
Diogenes Verlag, Zürich 2004
ISBN 9783257064421
Gebunden, 192 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Deutschlehrer Joachim Linde weiß, dass es mit seiner Familie, mit seinem Leben an und für sich, nicht zum Besten steht. Dass er jetzt sein "peinlichstes" Privatleben vor den Kollegen ausbreiten muss, geht ihm schon gewaltig gegen den Strich. Aber es scheint die einzige Möglichkeit zu sein, seine Haut zu retten. Linde ist fest entschlossen, sich nicht unterkreigen zu lassen. Es geht in diesem Roman um private, aber auch um historische Schuldzuweisung. Darum, wie sich ein Mensch in Wunschdenken und Halbwahrheiten verstrickt, weil er mit sich selbst im Reinen bleiben, vor sich selbst bestehen möchte.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.11.2004

Aus der Sparte "junge deutsche Literatur mit Biss und Haltung" gibt es gute Neuigkeiten, meldet der Rezensent Jochen Förster. Denn Jakob Arjouni war schon immer gut, aber damit nicht genug, er wird immer besser. Denn für den Rezensenten ist "Hausaufgaben", die Geschichte um den Lehrer Joachim Linde, eindeutig Arjounis bisher bestes Buch, und dies aus drei Gründen. Einmal, weil Arjounis Konzept besser ausgearbeitet sei, dann, weil er sich mit seinem Gegenstand - der selbstgerechten, pseudo-lebenslustigen und Freiheit dozierenden Linksbürgerlichkeit - hervorragend auskenne und somit "feiner ziselieren" könne, und schließlich, weil er die dazu "passende Perspektive" (die Erzählung in der dritten Person) gefunden habe. Linde, durch und durch Pädagoge, wähne sich als Opfer seiner familiären Situation (hysterische Frau, frauenloser Sohn und suizidgefährdete Tochter), deren Krise er jedoch mitbegründet habe. Diese weite sich endgültig zum Familienfiasko aus, als eine Schulstunde zum Thema "Drittes Reich" aus den Fugen gerät, und es aus allen Ecken Anschuldigungen und mehr oder weniger handgreifliche Übergriffe auf Linde regnet. Mit "Hausaufgaben", der Aufdeckung einer routinierten und blinden "politisch korrekten Heuchelei", ist Arjouni eine "brillante Innenansicht pädagogischer Uneigentlichkeit" gelungen, "sein relevantester Roman und sein feinster".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.10.2004

Zu einem ambivalenten Urteil kommt Rezensent Gerrit Bartels bei seiner Besprechung des neuen Romans von Jakob Arjouni, der einen nicht gerade "unzimperlichen" Blick auf die 1968er wirft. Problematisch findet der Rezensent beispielsweise, dass der Autor "viele schwierige, politische Themen anreißt, sie in ihrer Komplexität aber nicht zu begreifen versucht". Der zentrale Protagonist, ein Alt-68er, sieht sich in diesem "überladenen Roman" mit allerhand Problemen konfrontiert und ist nach Bartels Meinung einer der "zwielichtigsten, armseligsten Helden" in der deutschen Gegenwartsliteratur. Auch stört Bartels, dass der Mann ein bisschen "hart am Klischee" ist, doch das rhetorische Talent des Protagonisten scheint Bartels bei Laune gehalten zu haben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2004

In seinem kurzen Roman "Hausaufgaben" behandelt Jakob Arjouni ein Thema, das er bereits in einem Theaterstück von 1996 aufgegriffen hat, nämlich "Ressentiments", die unter der "Tarnung" liberaler Aufgeklärtheit daherkommen, stellt Rezensentin Jutta Person fest. Hauptfigur ist der Deutschlehrer Joachim, eine "Karikatur eines außen liberalen und nach innen komplett verdrucksten Draufgängers", fasst die Rezensentin zusammen, die den "polemischen Stachel" dieses Buches darin begründet sieht, dass es sich hier nicht um einen konservativen, älteren Herrn, sondern einen auf jung machenden, sich ehemals gegen die Startbahn West engagierenden Pädagogen handelt. Dem Autor gelingt es, die "psychologischen Verrenkungen", die aus der Hauptfigur stets das Opfer machen und alle anderen schuldig sprechen, in seinem Roman nachzuzeichnen, lobt Person. Für sie hat Arjouni mit dem Pädagogen Joachim zwar keine "ganz neue, aber eine gute" Hauptfigur gewählt. Dass der Autor bei der Zeichnung des "Ekelpakets" Joachim aber auch die "möglichen Ressentiments" der Leser "mit einbezieht", preist die eingenommene Rezensentin als "geschicktesten Schachzug" dieses Buches.
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