Jacques Decour

Philisterburg

Erzählung
Cover: Philisterburg
Die Andere Bibliothek, Berlin 2014
ISBN 9783847730057
Broschiert, 125 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Übersetzt aus dem Französischen und mit einem Vorwort versehen von Stefan Ripplinger. Ein Franzose 1930 in Magdeburg: Das vorurteilslose, scharfsinnige, komische und tragische Porträt eines Landes vor dem Untergang. Sein Autor Jacques Decour: in Deutschland unbekannt - in Frankreich ebenso. Die Erzählung, in der er aus Magdeburg berichtet, nennt er Philisterburg. Er schreibt über Deutschland, wie einer, der das Land noch nicht kennt, aber doch dessen Literatur, ihren "Humanismus", liebt und immer lieben wird. Er ist offen, subjektiv, leidenschaftlich und doch nicht festgelegt oder einseitig. Der in Tagebuchform geschriebene Text entwickelt Gedanken, unterzieht sie scharfer Kritik, verwirft oder verbessert sie, rekapituliert, resümiert: "PhilisterburgW zeigt die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Schreiben. Dank seiner Unbestechlichkeit erkennt Jacques Decour, wie groß die Gefahr ist, die sich zusammenbraut. Es ist diese Wahrheitstreue, die bei Erscheinen der Erzählung 1932 in Frankreich wütende Abwehr hervorrief. Nur ein Jahr später sind seine Kritiker widerlegt, aber dann ist von diesem Buch auch schon keine Rede mehr.M

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.05.2014

Die langweilige, weltabgewandte Provinz ist ein altes Klischee, das wieder in Mode zu kommen scheint, meint Christoph Buch. Umso mehr freut er sich über zwei Bücher, die mit ihm brechen: Jacques Decours "Philisterburg" und Bernd Wagners "Die Straße kräht Coqui", die sich beide an Magdeburg abarbeiten. Decours Tagebuch aus dem Herbst 1930, in dem sich der Zwanzigjährige als Französischlehrer in Deutschland verdingen wollte, schildert den "erlebten Alltag in der Endphase der Weimarer Republik": junge Nazis, die Heine nicht lesen wollen, weil er Jude war, kommen genauso vor wie die Leberwurstbrote im Lehrerzimmer, berichtet der Rezensent. Decour starb schließlich 1942 als Märtyrer der Résistance, verrät Buch noch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.05.2014

Rezensent Lothar Müller freut sich, dass mit "Philisterburg" nun auch in Deutschland der französische Autor Jacques Decour wiederentdeckt werden kann. Der Kritiker liest gebannt die Erfahrungen Decours, der im Jahre 1930 für ein halbes Jahr als Austauschlehrer in Magdeburg lebte und mit scharfem Blick aller Erfahrungen, die er mit dem frühen deutschen Nationalsozialismus - bei Wirten, Lehrern, Schülern - macht, notiert. Decour ging es vor allem darum zu zeigen, dass der französische Nationalsozialismus nicht die richtige politische Antwort gegenüber Deutschland sein könne, berichtet der Rezensent, dem auch das lehrreiche Nachwort Stefan Ripplingers äußerst gut gefallen hat.

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