Jacques Chessex

Der Schädel des Marquis de Sade

Roman
Cover: Der Schädel des Marquis de Sade
Nagel und Kimche Verlag, Zürich 2011
ISBN 9783312004690
Gebunden, 126 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Stefan Zweifel. Im Jahr 1814 sitzt der 74-jährige Schriftsteller Marquis de Sade in der geschlossenen Abteilung einer Pariser Irrenanstalt. Aber weder das Gefängnis noch sein Alter hindern ihn daran, die Welt weiterhin in Empörung und Schrecken zu versetzen. Jacques Chessex erzählt mit Witz und Derbheit die letzten Monate de Sades - und wie dessen Schädel, als Reliquie verehrt, eine kuriose Reise durch die Jahrhunderte zurücklegte. Der Autor aus der Schweiz liefert das beeindruckende literarische Porträt eines der faszinierendsten und anstößigsten Helden der Aufklärung in Frankreich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2011

Rezensent Jürg Altwegg würdigt den 2009 bei einer Diskussionsveranstaltung über eines seiner Werke verstorbenen Schriftsteller Jacques Chessex als einen der "bedeutendsten" der französischsprachigen Schweiz. Er rekapituliert die letzten Romane des Autors, die - Sittenbilder der Provinz - immer wieder Anstoß erregten. Chessex' nun auf Deutsch vorliegender letzte Roman erzählt für ihn die letzten Wochen im Leben von Marquis de Sade in der Irrenanstalt von Charenton. Doch nicht nur das: Chessex verfolgt auch den Weg des Schädels des ausschweifenden Dichters durch die Jahrhunderte. Was dabei herausgekommen ist, scheint Altwegg keineswegs der beste Roman des Autors. Allerdings liest sich das Buch in seinen Augen besser als Bataille und Blanchot, Pierre Klossowski und Philippe Sollers, die auch über de Sade geschrieben haben. Der Schädel de Sades scheint ihm in der "schlicht erzählenden Literatur besser aufgehoben als bei den Theoretikern der Transgression".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.07.2011

Nach der Lektüre von Jacques Chessex' kurz vor seinem überraschenden Tod im Jahre 2009 abgeschlossenen Roman ist Rezensent Martin Zingg einmal mehr überzeugt: Dieser Autor hatte eine "furiose Fantasie". Denn wie könnte man sich sonst mit dem "Schädel des Marquis des Sade" auf eine derart turbulente Reise begeben? Wie gewohnt habe Chessex dabei Fakten und Fiktion gekonnt miteinander verbunden. Nach einer Schilderung der auch im hohen Alter noch äußerst brutalen Sexualpraktiken des Marquis des Sade lässt Chessex insbesondere dessen Schädel Jahrhunderte lang sein Unwesen treiben: mal bringt dessen aphrodisierende Wirkung einer jungen Frau den Tod durch ihren übermütigen Liebhaber, später reicht die "bloße Präsenz" des Schädels um bei schwangeren Straftäterinnen Fehlgeburten auszulösen. Zuletzt begegnet der Ich-Erzähler dem Schädel in der Tasche einer jungen Ärztin, die dessen merkwürdige Wirkung mit Eichendorff-Versen zu bannen versucht. Auch dank der hervorragenden Übersetzung Stefan Zweifels hat der Rezensent diesen humorvollen Roman mit Genuss gelesen.
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