J.G. Ballard

Liebe und Napalm

Roman
Cover: Liebe und Napalm
Milena Verlag, Wien 2008
ISBN 9783852861661
Gebunden, 235 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Carl Weissner. Mit einem Nachwort von Thomas Ballhausen und Thomas Edlinger. James G. Ballards wegweisendes Romanexperiment, 1969 im Original unter dem Titel "The Atrocity Exhibiton" erschienen, ist eine formal wie inhaltlich anspruchsvolle tour de force. In einer Vielzahl literarischer Miniaturkapitel setzt er sich anhand einer unvertrauenswürdigen, changierenden Hauptfigur mit den zentralen Themen der westlichen Gesellschaft auseinander: Ein Arzt an einer psychiatrischen Klinik in London entdeckt nach und nach sein gestörtes Verhältnis zu seinem Beruf, seiner Umwelt und seinen Patienten. Anhand des schrittweisen Zerfalls der Person wird die Brüchigkeit der von Grausamkeiten durchzogenen Geschichte des 20. Jahrhunderts deutlich. Beim Durchqueren seiner eigenen Identität wird er von verschiedenen exemplarischen Rollen verfolgt, wie etwa J.F. Kennedy, Marilyn Monroe, Claude Eatherly, dem Piloten der B-29, der die Atombombe auf Hiroshima abwarf, und Lee Harvey Oswald, dem Attentäter von Dallas. "Liebe & Napalm" ist eine gnadenlose Abrechnung mit dem Verschalten von Krieg und Sexualität, konservativer (Kultur)Politik und den normierenden Aspekten der Biopolitik.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.05.2009

Rezensent Frank Schäfer freut sich, dass dieses Hauptwerk des kürzlich verstorbenen "Science-Fiction-Großapokalyptikers" in der durchgesehenen Übersetzung von Carl Weissner aus dem Jahr 1970 nun wieder aufgelegt worden ist. Denn bei dieser Sammlung von insgesamt 15 "condensed novels" handelt es sich aus Sicht des Rezensenten um J. G. Ballards avanciertestes Buch. Die formal unabhängigen Texte seien motivisch und auch durch ihr Personal miteinander verknüpft, doch herrsche "narrative Entropie", also die Auflösung gängiger erzählerischer Strukturmuster. Damit werde, so Schäfer, das Thema des Buchs - die zunehmende "Fragmentierung der Realität" - auch auf der formalen Ebene verhandelt: nämlich die Entropie der Welt abzubilden und formal durch die Ästhetik aufzuheben. Ausgangspunkt sei ein Unfall, womit Ballard nach Ansicht des Rezensenten bereits den Subtext seines Bestellers "Crash" vorwegnimmt.
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