Umberto Eco

Baudolino

Roman
Cover: Baudolino
Carl Hanser Verlag, München 2001
ISBN 9783446200487
Gebunden, 600 Seiten, 25,46 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber. Wir befinden uns im 12. Jahrhundert, zur Zeit der Kreuzzüge. Baudolino, ein gewitzter Bauernsohn aus dem Piemont, wird Adoptivsohn des Kaisers Friedrich I. Barbarossa. Den Kopf voller Flausen, Phantasien und Lügen, lenken seine irrwitzigen Ideen von nun an den Lauf der Weltgeschichte. Von den Liebesbriefen an die Kaiserin, den undurchsichtigen Machenschaften bei der Belagerung Alessandrias und dem rätselhaften Tod Barbarossas gar nicht zu reden ...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

So richtig will sich Fritz J. Raddatz in seinem Urteil über Umberto Ecos neuen Roman nicht festlegen. "Leseerlebnis, Fantasiemarathon, Harlekinade, chinesischer Zirkus auf Papier", ruft der Rezensent begeistert aus und vergleicht Eco mit David Copperfield. Viele herrliche Kapitel habe dieser Aventüren-Roman zu bieten, Eco sich dabei selbst übertroffen. Nach langen Lobeshymnen und interpretatorischen Anleihen, wobei Raddatz den Inhalt des Bandes beinahe ganz außen vor lässt, schwenkt der Rezensent um: Gerade noch hat er die "glänzende" Übersetzung von Burkhart Kroeber gewürdigt, da fällt ihm ein, dass "Baudolino" einen "Defekt" hat. Und zwar in der zirsensischen (übersetzt: den Zirkus betreffend) Apparatur, die knackt und knarzt nämlich, laut Raddatz. Das Buch ist zu dick, Eco in seine Erfindungsgabe verliebt. Der Rezensent überlässt die Entscheidung dem Leser, ob das Werk zu lang ist oder nicht. Mit Eco sei es eben wie mit Versace, verkündet Raddatz: Grelle Effekte treffen zwar nicht den Geschmack eines jeden, sorgen aber allemal für Aufmerksamkeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.09.2001

Wenn man vom Mittelalter mehr erfahren möchte als in unseren Schulbüchern steht, sollte man sich in "Baudolino" vertiefen, empfiehlt Roland H. Wiegenstein. Dabei scheint es nicht einfach zu sein, in diesem Buch zwischen Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden. Wiegenstein führt aus, dass "Baudolino" "ein pikaresker Roman voller Abenteuer" ist. Das der Titelheld lüge, sei offensichtlich, erklärt Wiegenstein, wann er dies jedoch tue, müsse der gebildete Leser selber herausfinden. Italienische Kritiker hätten in dem Buch Anspielungen auf aktuelle politische Entwicklungen entdeckt. Diese Ansicht teilt Wiegenstein nur bedingt. Eher könne man das Buch seiner Meinung nach als "(poetischen?) Kommentar" zu Kapiteln in Spenglers Untergang des Abendlandes lesen, die bei Eco im zweiten Band unter "Historische Pseudomorphosen" nachzulesen sind. Wiegenstein sieht das Buch auch als philosophische Elegie, mit der souveränen Ironie eines Autors gewürzt. Ein genuiner "Erzähler" sei Eco jedoch nicht, findet er, auch wenn ihm zuweilen einige schöne Passagen gelängen. Leider gäbe es aber auch Kapitel, in denen Eco sein Wissen ausbreite, ohne sich darum zu bekümmern, ob der Leser sich dafür interessiere. Die Übersetzung von Burkhart Kroeber habe das Buch um einiges eleganter gemacht, findet der Rezensent. Auch wenn die Spannung des Namens der Rose nicht erreicht werde, seien die Abenteuer des neuen Helden den spitzfindigen Überlegungen des Foucaultschen Pendels allemal überlegen, bemerkt Wiegenstein abschließend.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.09.2001

Den Vergleich des Buches mit einem über den europäischen Agrarmarkt gehetzten Schwein, einem "norditalienischen Exportschinken", hält der Rezensent tapfer durch. Nach 600 Seiten, das will er damit klar stellen, ist Lothar Müller des Augenzwinkerns müde angesichts dieser neuen Umbertiade, bei der (wieder einmal) die Universalbibliothek geplündert, der Held - Allessandrias Schutzheiliger Baudolino - "in die gesamteuropäische Literaturgeschichte hineinretuschiert", ein "Crashkurs in mittelalterlicher Geschichte und Literatur" verabreicht und nebenbei noch Historie als Medieninszenierung verkauft wird. Drunter geht's nicht. Leider, wie Müller findet, für den hinter der aufwendigen Konstruktion doch immer "ein durchaus biederer Erzähler" sichtbar bleibt. Und einem historischen Roman, meint er, tut das auch nicht gut, ein solcher "Absolutismus der Ironie", von den müden Augen einmal abgesehen.
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