Ludovico Ariost

Rasender Roland

Nacherzählt von Italo Calvino
Cover: Rasender Roland
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783821845456
Gebunden, 444 Seiten, 28,50 EUR

Klappentext

Mit 63 Zeichnungen von Johannes Grützke. Aus dem Italienischen übersetzt und kommentiert von Burkhard Kroeber. Mit ausgewählten Passagen des Originals in der Verdeutschung von Johann Diederich Gries. Niemand wütet schöner! Schade, dass keiner mehr Ariosts Meisterwerk kennt! Der Grund liegt auf der Hand: gerade die virtuosen Verse sind es, die jedem Zuhörer süß ins Ohr rinnen - aber wer traut es sich heute noch zu, seitenlang solche betörenden Stanzen zu lesen?
Italo Calvino ist es, der uns ebenso sanft wie entschlossen an die Hand nimmt und durch die Fabelwelt des "Orlando furioso" führt. Er kann das, weil er ein geborener Erzähler ist, weil er auf seine Art ebenso zaubern kann wie Ariost. Es ist ein phantastischer Kosmos, der sich so erschließt. Auf den ersten Blick geht es um den Kampf zweier Kulturen: Ein islamisches Heer steht vor den Toren von Paris, und die christlichen Ritter verteidigen das Abendland.
Aber der Autor nimmt den Glaubenskrieg, der zu seiner Zeit schon vier Jahrhunderte zurückliegt, nicht besonders ernst. Er erzählt ein Märchen, in dem, neben Magiern, Feen und Monstern die streit-, abenteuer- und liebessüchtigen Menschen seiner eigenen Zeit die Hauptrolle spielen. Das alte Ritterwesen existiert nicht mehr. Egoisten sind es, Verrückte, Einsame, die sich mit der Anarchie und dem Chaos der Renaissance herumschlagen. Die Handlung wuchert, verzweigt sich, irrt im Zickzack umher. So entsteht ein grandioses, farbenprächtiges Panorama ein Universum für sich, in dem man kreuz und quer umherreisen und sich verlieren kann.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.08.2004

Rolf Vollmann sieht sich mit diesem Buch in die schönsten Frühlingsgärten versetzt und wandelt dort entzückt umher. Bei aller lyrischer Schwärmerei über den so "herrlich gar nicht enden wollenden Rasenden Roland" von Ludovico Ariost, besinnt sich der Rezensent dann aber doch noch auf die vorliegende Nacherzählung von Italo Calvino, der bereits 1970 den Rasenden Roland in eine Erzählung gefasst hat, in die ausgewählte Strophen von Ariost eingefügt sind, wie Vollmann erklärt. Burkhard Kroeber hat nach der begeisterten Einschätzung des Rezensenten Calvinos Text in einer "leichtfüßige" Übersetzung ins Deutsche gebracht, "wie sie keiner von uns hätte schreiben können". Und so wäre das Glück Vollmanns perfekt, wenn da nicht die Illustrationen von Johannes Grützke wären, deren "tölpelhaft bäuerische" Manier er der Anmut der Geschichte um Ritter, geraubte Frauen und geflügelte Pferde vollkommen unangemessen findet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2004

Die Geschichte des "Rasenden Roland", die der Ferrareser Dichter Ariosto im 16. Jahrhundert aufgeschrieben hat, gehört wie Dante oder Tasso auch heute noch in Italien zum Volksgut, weiß Maike Albath. Sie findet, dass die Figur des liebestollen und verrückt spielenden Roland ausgezeichnet zu Italo Calvino passt, der schließlich ein Herz für Spinner gehabt habe. Doch auch das die literarischen Reinheitsgebote jener Zeit übertretende Werk Ariosts mit seinen parodistischen Elementen, den phantastischen Übertreibungen, seiner überbordenden Erzähllust und den ausufernden Handlungssträngen entsprächen durchaus Calvinos Konzept von Literatur. Für eine Radiofassung hatte Calvino große Teile des Roland-Opus kommentiert und 1970 in Buchform veröffentlicht. Der deutsche Übersetzer Burkhart Kroeber hat diese in Italien zum Klassiker avancierte Ausgabe nun auch deutschen Lesern zugänglich gemacht, indem er, wie Albath erklärt, bei den eigentlichen Ariost-Passagen auf die Übersetzung von Johann Diederich Gries aus dem Jahr 1827 zurückgriff oder behutsam revidierte, während er die Erläuterungen Calvinos frisch und neu selbst übersetzt hat. Das Ganze macht immer noch "keine gefällige Bettlektüre", warnt Albath, bietet aber eine fundierte Einführung in den Stoff und ein sinnlich-intellektuelles Lesevergnügen.
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