Istvan Deak

Kollaboration, Widerstand und Vergeltung im Europa des Zweiten Weltkrieges

Cover: Kollaboration, Widerstand und Vergeltung im Europa des Zweiten Weltkrieges
Böhlau Verlag, Wien 2017
ISBN 9783205202189
Gebunden, 367 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

In den vom nationalsozialistischen Dritten Reich besetzten Ländern und in den verbündeten Staaten verliefen die Grenzen zwischen passiver Anpassung, aktiver Kollaboration und Widerstand ebenso fließend wie jene zwischen Rache und Vergeltung im und nach dem Krieg. István Deák verbindet diese Themenfelder zu einer Gesamtdarstellung über die unterschiedlichen Ausprägungen komplexer Phänomene in schwierigen Zeiten. Aus unterschiedlichen Gründen unterstützten Individuen, Gruppen und/oder lokale Behörden in den besetzten Gebieten die Besatzer, erduldeten ihre Anwesenheit oder lehnten sich dagegen auf. Kollaboration konnte mit einem Glas Wasser für einen durstigen Soldaten beginnen und bis zur Denunziation reichen. Als Widerstand konnte das versteckte Tragen eines verbotenen Abzeichens ebenso gelten wie der bewaffnete Kampf. Passive Anpassung fiel in Westeuropa, wo die Besatzungstruppen in der Regel gemäßigt agierten, leichter als in den oft rücksichtslos unterdrückten Ländern Ost- und Südosteuropas. Dort gingen Besatzung, Widerstand und Befreiung oft mit Bürgerkriegen, Genoziden und "ethnischen Säuberungen" einher. Dabei spielte die Besatzungsmacht mitunter eine geringere Rolle als verschiedene lokale Gruppierungen. Das Spektrum der Vergeltung nach dem Krieg reichte von individueller Rache über ordentliche Gerichtsverfahren bis zur Vertreibung ganzer Bevölkerungsgruppen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2018

Johannes Tuchel regt das Buch des Historikers Istvan Deak zum Nachdenken an über historische Einschätzungen zu zentralen Problemen der europäischen Geschichte während des Zweiten Weltkriegs. Warum Europa immer noch fragil ist, versteht er nach der Lektüre besser. Als Anklageschrift versteht der Rezensent den Band insofern, als der Autor den Finger auf die Untaten der Gewaltstaaten legt, auf Kollaboration und Anpassung, ohne Pauschalisierungen, sprachmächtig und pointiert, meint Tuchel. Besonders hat Tuchel die Analyse über Deutschlands Verbündete beim Massenmord an den Juden beeindruckt. Aber auch der Überblick über den Widerstand in West- und Nordeuropa sowie die Zusammenfassung der bekannten Befunde zur juristischen Aufarbeitung der Nazigewalt haben Tuchel überzeugt.

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