Ismail Kadare

Die Dämmerung der Steppengötter

Roman
Cover: Die Dämmerung der Steppengötter
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783100384140
Gebunden, 208 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Albanischen von Hoachim Röhm. Illusionslos zeichnet Ismail Kadare ein Bild der Schriftsteller aus allen Teilen des großen Sowjetreichs, denen er im Rahmen seines Studienaufenthaltes am Maxim-Gorki-Institut begegnete. Zu seiner bodenlosen Enttäuschung trifft er überwiegend auf Konformisten, ultraloyale Schmeichler, frustrierte Sozialisten und korrupte Informanten. Die eigenartige Stimmung aus Beklemmung, Misstrauen und gegenseitger Bespitzelung unter den Studenten fängt er in zum Teil surreal anmutenden Szenen ein. Gesteigert wird die klaustrophobische Atmosphäre noch durch den Ausbruch einer Epidemie, die zu einer vollständigen Quarantäne führt. Ein Sinnbild der politischen Isolation, in der sich die Sowjetunion nach der Tauwetterperiode unter Chruschtschow befindet, und ein ahnungsvoller Vorgriff auf die Isolation Albaniens nach der Loslösung vom "Großen Bruder".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.12.2016

Rezensentin Dorothee Wahl wundert sich nach der Lektüre von Ismail Kadares autobiografischem Roman nicht mehr über die jahrelange Anwärterschaft Kadares auf den Literaturnobelpreis."Die Dämmerung der Steppengötter" sei nicht nur hochaktuell sondern auch spannend und bewegend. Kadare erzählt darin von seinen Jahren im Moskauer Literaturinstitut, lesen wir, von seinem Außenseitertum in Russland als albanischer Schriftsteller, vom Verrat an literarischen und idealistischen Ideen und vom Misstrauen, das die Diktatur zwischen den Autoren sät, kurz: über das Schreiben in totalitären Systemen. Doch bei all der Düsternis schafft es der Autor trotzdem, durch seine"melodische, bildhafte" Sprache, die Geschichte mit einem ganz eigenen subtilen Humor zu würzen, so die begeisterte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2016

Der hier rezensierende Schriftsteller Beqe Cufaj möchte uns den albanischen Schriftsteller Ismail Kadare vorstellen und nutzt dazu den Glücksfall einer deutschen Erstveröffentlichung, vorzüglich übersetzt, wie er findet, von Joachim Röhm. Warum dieser Autor bei uns so wenig gelesen und gefeiert wird, ist ihm ein Rätsel. Liegt es am Verdacht der Nähe zum kommunistischen System? Den möchte Cufaj entkräften, bzw. das macht der Autor schon selbst, meint er, indem er in diesem Buch eine völlig neue Seite seiner selbst aufblättert, selbstreflexiv und persönlich, kritisch und humorvoll. So beschreibt er laut Rezesent das Leben und Schreiben im System, genauer in einer propagandistischen Schreibwerkstatt, in der der Leser auf gespenstische Weise ein bisschen heutige Creative-Writing-Kurse wiedererkennen kann, wie Cufaj meint. Dieselben Träume und Ziele und Enttäuschungen, erklärt er, und mittendrin der Autor von unvergleichlicher Intelligenz und menschlicher Wärme.
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