Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.04.2003
Die ethnische Kluft zwischen der großen albanischen Volksgruppe in Mazedonien und den Mazedoniern scheint in diesem Land unüberwindbar, und der albanische Schriftsteller Kim Mehmeti, der seine Kunst nicht im Auftrag einer ethnisch motivierten Ideologie missbraucht wissen will, ist ein echter Exot, stellt Rezensent Uwe Stolzmann fest. Mehmeti verstehe sich vielmehr als Chronist des Verfalls aller Werte einer Gemeinschaft denn als Parteigänger einer Volksgruppe, was bereits in den wenigen von ihm in deutscher Sprache erschienenen Erzählungen und nun auch in seinem Roman deutlich wird. Hier dokumentiert der Erzähler die düstere Atmosphäre in einem Dorf, das belastende Schweigen der Bewohner über vergangene Ereignisse, ihr gegenseitiges Belauern. Dem Inhalt entsprechend habe der Autor sich für eine Sprache entschieden, die von Aussparungen und Andeutungen, vom Schweigen und Verschweigen geprägt sei, die, wie der Rezensent mit dem Hinweis auf eine zuweilen zutage tretende Geschwätzigkeit bedauert, nicht konsequent durchgehalten werde. Stolzmann hat auch seine Zweifel daran, inwiefern Mehmeti ein echter Freigeist ist, wenn dieser sich im Gespräch als "positiver Nationalist" definiert. Was dieser Autor also in Zukunft für die Literatur und dies Zivilgesellschaft des Balkans bringen möge, weiß der Rezensent noch nicht abzuschätzen.
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