Ismail Kadare

Der Raub des königlichen Schlafs

Kleine Romane und Erzählungen
Cover: Der Raub des königlichen Schlafs
Ammann Verlag, Zürich 2008
ISBN 9783250600480
Gebunden, 480 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Albanischen von Joachim Röhm. Die 17 Kurzgeschichten und Kurzromane, die in dieser Anthologie erstmals auf Deutsch erscheinen, bilden eine eigene Schönheitskonkurrenz: Schillernd, bunt und prächtig balancieren sie auf der Grenze zwischen Mythos und Wirklichkeit. Der albanische Meistererzähler erweist sich auch hier als Seismograph und Chronist des spannungsreichen Ineinanders der Völker und Kulturen auf dem Balkan. Kadare spürt dieser besonderen Atmosphäre nach und erfasst sie in verschiedenen historischen Konstellationen: vor sozialistischer Kulisse, als Panorama des Osmanischen Reiches, im Spiegel der griechischen Antike. Ob mythologisch, grotesk oder tragikomisch - Kadares Erzählungen sind stets Geschichten von der Geschichtlichkeit des Menschen und immer wieder aufs neue eine fesselnde Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2009

Angesichts der märchenhaften Fabulierkunst dieses Autors kann Wolfgang Schneider nur staunen. Über Ismail Kadares zwischen Realismus, Legende, Parabel und Fantastik wechselnden Erzählweisen und seinen Ideenreichtum hätte er beinahe vergessen, dass Kadare aus dem "ungemütlichem Universum" Albaniens unter Enver Hodscha berichtet, aus einer Welt der Albtraumlogik, in der nichts so unwahrscheinlich erscheint wie die Realität selbst. Die zwölf im Band enthaltenen (laut Schneider glücklich übersetzten) Erzählungen und Kurzromane erinnern den Rezensenten an Kadares "Palast der Träume". Wieder taucht das Leitmotiv der Angst vor und innerhalb der Macht auf, wieder fühlt der Autor dem Regime den Puls. Und wieder tut er das, so versichert uns Schneider, mit schwarzem Humor und der "Heiterkeit des Epikers".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2008

Andreas Breitenstein preist Ismail Kadares literarisches Werk als eines der wenigen Mittel, die dem Albanien vor 1989 in seiner abgeschnürten Isolation "Atemluft" gespendet haben. Dieser Band mit zwölf Prosatexten begeistert ihn durch seinen "stupenden Bilder- und Ideenreichtum". Wie in einem Musterkatalog führt der Autor darin seine beeindruckende poetische Kraft, seinen schier unerschöpflichen Stoff- und Geschichtenvorrat und seinen genauen Blick auf die "böse Realität des Realsozialismus" vor, rühmt der Rezensent. Dass Kadare bei seinen oftmals von Brutalität, Einsamkeit und Gemeinheit geprägten Schilderungen auch ein Gespür für tragikomische und absurde Zusammenhänge zeigt, macht für Breitenstein fast jeden einzelnen Text dieses Bandes zu einem Meisterstück. Kadare bedient sich mal parabelhafter, mal "realistisch verdichteter" Formen und Erzählweisen, und führt darin die Realität des "albanischen Alptraums" in höchst berührender Weise vor, so der Rezensent. Die Übersetzung ins Deutsche hebt Breitenstein abschließend lobend hervor, hier hat ihm besonders der Sinn des Übersetzers Joachim Röhm für den Sprachwitz des Autors eingenommen.
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