Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis. Maria Luísa ist jung, intelligent, eigensinnig. Sie ist eine gute Schülerin und verfolgt auch später konsequent ihren eigenen Weg. Doch sie ist dick. Hoffnungslos dick. Dieser Umstand überlagert und beschädigt alles: ihre sozialen Kontakte, ihr Gefühlsleben (die komplizierte Beziehung zu David, ihrer großen Liebe), ihren Wirklichkeitsbezug. Schon als Teenager leidet sie darunter und muß in resigniertem Schweigen das Mobbing durch ihre Mitschüler ertragen. Neben ihrer dominanten Freundin Tony - schlank, schön und von allen Jungs umschwärmt - ist sie "das Monster", "der Blauwal". Im Studium lernt sie David kennen. Obwohl er ihren Körper begehrt, schämt er sich vor seinen Freunden für ihr Aussehen und bittet sie, ihn nicht mehr zu besuchen. Er beendet die Beziehung, doch kann sich Maria Luísa nicht vollends von ihm lösen. Von den eigenen Eltern fühlt sie sich bedrängt und eingeschränkt, dennoch werden sie ihr nach deren Tod fehlen. Als Erwachsene faßt Maria Luísa den Entschluß, ihren Magen operativ verkleinern zu lassen. Die Erzählerin dieses autobiografischen Romans geht durch die Räume der Wohnung, die sie mit ihren Eltern nach deren Rückkehr aus Mosambik bewohnt hat; die einzelnen Zimmer bilden die Kapitelüberschriften.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.05.2021
Rezensentin Lea Schneider hält Isabela Figueiredos Buch "Die Dicke" nicht für einen klassischen Roman, weil Figueiredos die Geschichte ihrer Figur María Luisa nicht "linear voranschreitend" erzähle , sondern fragmentarisch, stets zwischen Erinnerungen springend. Geordnet sind diese Erinnerungssplitter nach den Räumen der elterlichen Wohnung, die die Erzählerin nacheinander durchstreift, ergänzt die Kritikerin. Ihr von sehr gegensätzlichen Bedürfnissen geprägtes Verhältnis zu den verstorbenen Eltern sei das eigentliche Thema des Romans, zugleich spiele auch María Luisas vermeintlichen gesellschaftlichen Normen nicht entsprechender Körper eine wichtige Rolle - sowie ihr "Begehren nach Sex, Essen, Sonne, Literatur, Schönheit" . Spannend findet die Rezensentin, wie die Autorin María Luisas befremdliche Lust an der Perfektion des mütterlichen Körpers beschreibt - eine Lust, die bei Schneider allerdings auch ein Unbehagen auslöst. Noch aus einem weiteren Grundn hält sie das Buch nicht für einen klassischen Roman: Unklar bleibe nämlich das Verhältnis von Fakt und Fiktion, sowie die Funktion der Fiktionalisierung überhaupt. Als Autobiografie wäre "Die Dicke" absolut überzeugend gewesen, als Roman ist das Buch eher "mittelmäßig", so die Rezensentin. Schneider vermutet jedoch, dass der biografiescheue deutsche Literaturbetrieb dafür zu verantworten ist, der überall Roman draufschreiben muss, wo Biografie drin ist.
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