Aus dem Rumänischen von Eva Ruth Wemme. Mit einem Vorwort von Patricia Kopatchinskaja. "Als ich die Memoiren meines Großvaters wieder einmal in die Hand bekam, dachte ich, sie könnten im Westen vielleicht auf Interesse stoßen", schreibt die Geigerin Patricia Kopatchinskaja im Vorwort zu diesen Erinnerungen eines einfachen Mannes. "Zumal dieses kleine, unbekannte Land Moldova wegen des aktuellen Kriegs in der Ukraine selbst bald wieder zum Opfer werden könnte. Und einige fragen sich vielleicht, wo genau liegt denn dieses Moldova, und was ist richtig - Moldawien oder Moldova oder Moldau, welche Sprache spricht man dort, und was hat es mit dem Fluss Moldau zu tun? Und wie sind sie eigentlich, die Moldauer?" Ihr Großvater Ion Postolache gab auf seine Art Antworten auf diese Fragen - sein Tagebuch erstreckt sich über fast das ganze, lange 20. Jahrhundert. Dank seiner Enkelin, inzwischen eine weltweit gefragte Geigerin, können wir es nun lesen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 04.12.2024
Rezensent Tobias Lehmkuhl würdigt Ion Postolaches Erinnerungen an sein Leben in Moldau als eindringliches Zeitzeugnis eines Landes, das seit über 100 Jahren um seine Identität ringt. Postolache schildert die brutale Vertreibung seiner Familie unter Stalin, den Hungertod vieler Moldauer 1946/47 und die Kämpfe gegen die Separatisten Transnistriens 1992. Lehmkuhl staunt, wie sich die heutigen russischen Kriegspraktiken in der Ukraine erschreckend ähneln. Postolache, Bauer und Tiermediziner und kein Schriftsteller, schrieb das Werk für seine Familie, erklärt der Kritiker. Seine Enkelin, die berühmte Geigerin Patricia Kopatchinskaja, veröffentlichte es und hebt in ihrem Vorwort die kulturelle Bedeutung der Musik für Moldau hervor. Postolaches erinnert sich in diesem Buch auch an persönliche dramatische Erlebnisse, wie an einen Besuch bei seinem Vater im Gefängnis, der dann später nach Sibirien verschleppt wurde. Trotz politischer Willkür blieb er ein präziser Beobachter der Leidensgeschichte seines Volkes, schließt Lehmkuhl.
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