Der Topos der Sünde gehört nicht nur zum Kernbestand theologischer Themen, er bietet auch einen theologischen Schlüssel zum Verständnis für die Herkunftsgeschichte der kulturellen Situation unserer Gegenwart. Der Theologe und Religionsphilosoph Ingolf U. Dalferth zeigt das am Leitfaden der Frage nach der Menschlichkeit des Menschen an exemplarischen Punkten und widerspricht damit der weitverbreiteten "Sündenvergessenheit" deutscher evangelischer Theologie. Das Resultat ist keine klassische theologische Abhandlung zum Sündenthema, sondern eine Problemgeschichte der Sünde, in der theologische Überlegungen zur Diagnose exemplarischer Entwicklungen in der europäischen Denkgeschichte herangezogen werden. Dalferths Buch kritisiert den Zweig der Aufklärungstradition, der meint, die vom Sündentopos bestimmte Interpretation der conditio humana hinter sich lassen zu können, und plädiert für eine realistische Sicht auf den Menschen. Wer an den "sündlosen" Menschen glaubt und meint, auf der Erde das Himmelreich schaffen zu können, baut an der Hölle.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.02.2021
Bei Frank Jehle hallt Ingolf U. Dalferths Buch lange nach. Neugierig lässt er sich ein auf Dalferths "protestantischen" Blick auf das Konzept der Sünde und das Menschliche in uns. Paulus, Luther, Melanchthon, Kant und Hegel, aber auch Thomas von Aquin sind die Gewährsleute, mit denen der Autor seinen Imperativ zur Teilnahme am Leben des Schöpfers "gelehrsam" entwickelt, erklärt Jehle. Dalferths Kritik an "Wunschbildanthropologen" und an der "Moralisierung" der Sünde und sein Eintreten für mehr Bescheidenheit in Bezug auf die Moral, findet Jehle anregend und diskussionswürdig im positiven Sinne.
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