Er hat Schulden gemacht, mit ungedeckten Wechseln bezahlt, am Ende sogar den Familienschmuck versetzt: dieser Sohn war nicht mehr tragbar. Erik Pringsheim, der älteste Spross von Alfred und Hedwig Pringsheim, wurde vom Vater 1905 nach Argentinien verbannt. Doch seine Mutter ließ das Schicksal des Lieblingssohnes nicht ruhen. Zwei Jahre später reiste sie zu ihm und erlebte eine für sie neue, fremde Welt. Sie lernte Buenos Aires kennen, fuhr zusammen mit Erik über die Anden nach Chile und besuchte deutsche Auswanderer im Landesinneren von Argentinien. Inge und Walter Jens erzählen die spannende Geschichte dieser ungewöhnlichen Reise. Sie folgen akribisch den Spuren von Thomas Manns Schwiegermutter und denen ihres Sohnes Erik, der schließlich im Jahre 1909 unter mysteriösen Umständen zu Tode kam. Hedwig Pringsheim hielt ihre Erlebnisse und Erfahrungen in einem Reisetagebuch fest, das im vorliegenden Buch erstmals vollständig veröffentlicht wird. Die Chronistin schildert in ihrem Diarium großartige Natureindrücke, unerhörte Strapazen und zahlreiche Begegnungen mit interessanten Menschen. Sie schreibt in einem unverwechselbaren, lebendigen Stil, der durch selbstbewussten Witz und scharfsinnige Urteile besticht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2007
Äußerst wohlwollend nimmt sich Thomas Meissner dieses von Inge und Walter Jens herausgegebenen Bandes über Hedwig Pringsheims "Suche nach dem verlorenen Sohn" an. Das argentinische Reisejournal der Schwiegermutter Thomas Manns hat ihm insofern zugesetzt, als es an der Hoffnungslosigkeit, den haltlosen Sohn "zu retten", von Anbeginn keinen Zweifel lässt. Ein Grund vielleicht, warum sich Meissner bald mehr für Pringsheims "hellwache" Reise-Beobachtungen interessiert, als für die Mutter-Sohn-Geschichte. Schließlich liest man nicht alle Tage von einer Reise über die Anden per Kutsche, ein "frühes touristisches Highlight", garniert mit "pittoresken Reizen". Dem Ehepaar Jens verdankt Meissner einen beigefügten Essay, der nicht nur über die Rechercheleistung informiert, sondern den Rezensenten auf die Fährte setzt. Spuren dieses Schicksals in den Werken der Manns lassen sich durchaus finden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.02.2007
Albert von Schirnding preist das Recherche-Geschick von Inge und Walter Jens, die in ihrem neuesten Buch den mysteriösen Tod des Bruders von Katja Mann in Argentinien und das Tagebuch einer kurz zuvor unternommenen Reise seiner Mutter Hedwig Pringsheim auf dessen Farm ins Visier nehmen. Zwar seien die Ergebnisse dieser Untersuchung weit weniger aufregend als die dunklen Geheimnisse, die die Familie seinerzeit dahinter vermutete. Der eigentliche Gewinn dieses Buches aber liegt neben der Richtigstellung der Ereignisse, in dem hier erstmals veröffentlichten Tagebuch der Mutter, die man so als äußerst komische, eigenwillige und faszinierende Beobachterin kennen lernt, erklärt Schirnding begeistert.
Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…