Indra Sinha

Menschentier

Roman
Cover: Menschentier
Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2011
ISBN 9783940111876
Gebunden, 508 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susann Urban. Als eine junge amerikanische Ärztin eine Klinik für die Opfer der Chemiekatastrophe eröffnet, wird Animal zu ihr geschickt, um herauszufinden, auf welcher Seite sie steht. Ein Netz von Intrigen und Verdächtigungen treibt die Handlung voran, bis zu ihrem dramatischen Ende. Sinha balanciert zwischen Komödie und Tragödie. In einer aus den Fugen geratenen Welt ergibt nur noch die groteske Übertreibung einen Sinn.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.04.2012

Indra Sinhas Roman "Menschentier" hat Claudia Wenner sehr beeindruckt und begeistert, die Übersetzung ins Deutsche allerdings schmälert ihre Freude beträchtlich. Der indische Autor erzählt die Geschichte des durch einen grauenhaften Chemie-Unfall verkrüppelten Ich-Erzählers, der sich "Animal" nennt, weil er sich nur noch auf allen vieren fortbewegen kann, erklärt die Rezensentin. Auch wenn hinter der fiktiven Stadt Kaufpur unschwer Bophal zu erkennen ist, wo sich 1984 die schwerste Chemie-Katastrophe der Geschichte ereignete, entscheidet sich der Autor gegen einen "Tatsachenroman" und schafft eine völlig andere, fiktive Wirklichkeit, so Wenner. Unsentimental und ohne jede Sensationslust eröffnet Sinha mit seinem jungen Protagonisten eine ganz neue Perspektive auf ein Opfer, das sich vehement weigert, diese Rolle anzunehmen, lobt die Rezensentin. Sie ist vor allem von der Sprache, die sich durch Jugendjargon, schräger Syntax und Einschlüssen von Hindustani und Französisch auszeichnet, sehr fasziniert. Die allerdings lässt sich beim Lesen der deutschen Übersetzung fast nicht mehr wiederfinden, von Sinhas "Sprachfeuerwerk" ist hier nur ein holpriger, allzu sehr am englischen Original angelehnter Text übrig geblieben, stellt die Rezensentin betrübt fest.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.03.2012

In höchsten Tönen lobt Karl-Markus Gauß diesen Roman des indisch-britischen Autors Indra Sinha, der die große Chemiekatastrophe von Bhopal zum Thema macht. In der fiktiven Stadt Khaufpur fliegt eine ebensolche Fabrik in die Luft, die Verantwortlichen vertuschen erst den Vorfall, dann ihre Verantwortung. "Wie Tiere" würden die Opfer behandelt, denen etwa die Knochen zusammengeschmolzen sind, so dass sie nur noch auf allen vieren kriechen können. Wie der Erzähler, der deshalb auch Animal heißt. Gauß sieht hier keine larmoyante Opfergestalt in Szene gesetzt, sondern einen "oft witzigen, meist ordinären" Kerl, der die Geschichte zu einer schlitzohrigen Schelmengeschichte macht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.02.2012

Mit seinem Roman “Menschentier" rückt Indra Sinha den schlimmsten Giftgasunfall der Geschichte 1984 im indischen Bhopal ins Gedächtnis, unter dem die Opfer bis heute leiden, erklärt Shirin Sojitrawalla. Das ist das “große Verdienst" dieses Romans, auch wenn der originelle Ich-Erzähler, ein durch die Chemiekatastrophe verkrüppelter Straßenjunge, die Geduld der Leser durch seine eigenwillige Sprache mitunter etwas überstrapaziert, wie die Rezensentin zugibt. Ohne sich um Syntax oder Verständlichkeit zu kümmern, erzählt der Protagonist mit vielen witzigen Wortschöpfungen und Einschüben in Französisch oder Hindi von den Folgen des Chemieunfalls, den unterschiedlichen (Vertuschungs-)Interessen bei der Aufarbeitung und seinen ganz persönlichen “pimmelfixierten" Nöten, so die Rezensentin alles in allem dennoch gefesselt, die auch die Übersetzerin für ihre gelungene Übersetzung beglückwünscht.