Klappentext

Aus dem Englischen von barbara Heller. Mrs Sengupta hat eine Etagenwohnung mit Meerblick, einen Koch, einen Butler, ein Kindermädchen und eine Angestellte, die sich allein um die Blumenarrangements in ihrem Zuhause kümmert. Damit sind Mrs Senguptas gesellschaftliche Ambitionen jedoch noch lange nicht befriedigt: Während sich ihr Ehemann auf eine Spitzenposition in einem ausländischen Unternehmen hocharbeitet, träumt sie von einer Karriere als Sängerin. Ihr Lehrer ist Shyamji, Sohn eines berühmten indischen Sängers und Gurus. Das spirituelle Erbe seines Vaters zu pflegen, kann Shyamji sich jedoch nicht leisten, denn er hat eine große Familie zu ernähren und außerdem eine Schwäche für alles Materielle. So fügt er sich seiner zahlungsfähigen Kundschaft, die lieber die Schlager aus den Bollywood-Filmen als die alten indischen Weisen singen will.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2012

Irene Binal bleibt verhalten angesichts Amit Chaudhuris Roman über eine Frau der Bombayer Oberschicht, die mäßig ambitioniert eine Sängerinnenkarriere anstrebt. Den Einblick in das Leben der Reichen, das hier mit den musikalischen Traditionen Indiens enggeführt wird, findet die Rezensentin durchaus interessant, auch wenn sie meint, dass es für westliche Leser nicht eben leicht ist, sich im Gewirr der unterschiedlichen Musikstile zurechtzufinden und Chaudhuri zudem zur Langatmigkeit neigt. Immerhin, im zweiten Teil kommt die Handlung etwas in Fahrt, die Familie der Sängerin erlebt einen sozialen Abstieg, während der Gesangslehrer zu Geld und gesellschaftlicher Anerkennung kommt, verrät Binal. Aber auch wenn sie dem Autor einen scharfen Blick auf die gesellschaftliche Realität in Bombay attestiert, liest sich für sie dieser Roman eher mühsam, und sie findet ihn zwar "ambitioniert, aber etwas zu beiläufig", um sich davon in den Bann schlagen zu lassen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.11.2011

Mit Amit Chaudhuris neuem Roman "Mrs Sengupta will hoch hinaus" hatte Rezensentin Shirin Sojitrawalla nicht viel Freude. Das Cover erscheint ihr zu sehr Bollywood verpflichtet, der deutsche Titel irreführend und auch dem Inhalt dieser Coming-of-Age-Geschichte kann die Kritikerin nicht viel abgewinnen. Auf knapp 400 Seiten folgt sie Mrs Senguptas Sohn Nirmalya, einem verwöhnten, musikalisch begabten Einzelkind auf seinem, von seinem Musiklehrer begleiteten Weg der Selbstfindung durch das Bombay der späten Siebziger. Dabei erfährt die Rezensentin zwar viel über Indien und seinen Nationalcharakter, allerdings derart "umständlich" und undifferenziert erzählt, dass sie sich bald zu langweilen beginnt. Auch für Chaudhuris Sprache kann sie sich nicht recht erwärmen: trotz einiger gelungener sprachlicher Bilder erscheint ihr der Erzählton im Wesentlichen doch zu "uninspiriert".