Ilko-Sascha Kowalczuk, Bodo Ramelow

Die neue Mauer

Ein Gespräch über den Osten
Cover: Die neue Mauer
C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406838316
Gebunden, 239 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Vieles von dem, was nach 1990 im Osten schiefgelaufen ist, lässt sich aus Versäumnissen und Fehlern im Vereinigungsprozess erklären. Anderes geht auf überzogene Erwartungen und ein falsches Verständnis von Freiheit zurück. So ist eine toxische Stimmung entstanden, die immer größere Teile der Bevölkerung erfasst nicht nur im Osten, sondern auch im Westen. Denn die "neue Mauer" verläuft nicht nur entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, sondern auch zwischen den Verteidigern der Demokratie und jenen, die sie gezielt oder leichtfertig in Gefahr bringen. Ilko-Sascha Kowalczuk ist einer der besten Kenner der DDR-Geschichte und seit vielen Jahren Beobachter des Vereinigungsprozesses. Bodo Ramelow ist seit 1990 in Ostdeutschland politisch aktiv und war von 2014 bis 2024 Ministerpräsident in Thüringen. Die beiden haben sich zusammengesetzt, um nach den Ursachen für den flächendeckenden Wahlsieg der AfD in den neuen Bundesländern und nach den Perspektiven für unsere Demokratie zu fragen. Der Zeithistoriker und der Politiker lassen es dabei nicht an deutlichen Worten fehlen und gelangen zu einem sehr differenzierten Bild der deutsch-deutschen Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2026

Mit Gewinn liest Rezensent Markus Wehner diesen Band, in dem sich zwei Außenseiter ihres jeweiligen Metiers, der christliche Linkspartei-Politiker Bodo Ramelow und der akademisch nie voll durchgestartete Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk miteinander unterhalten. Und zwar unter anderem über ihre jeweilige Sozialisation: Kowalczuk erzählt, wie er, in der DDR aufgewachsen, keine Chance auf eine ordentliche Karriere mehr hatte, nachdem er einen Offiziersposten bei der NVA ablehnte. Ramelow, im Westen groß geworden, berichtet darüber, wie in der BRD der ostdeutsche Staat exotisiert wurde. Beide Seiten bekommen hier ordentlich Kritik ab, freut sich Wehner. Außerdem werden manche Vorurteile berichtigt - so ist zu lesen, dass längst nicht jeder inoffizielle Mitarbeiter der Stasi faktisch als Spitzel aktiv war. Etwas arg wortreich fallen manche Passagen dieses Buches aus, findet der Rezensent, der dennoch insgesamt angetan davon ist, wie zwei, die politisch oft auf unterschiedlichen Seiten stehen, hier im Gespräch zueinander finden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.10.2025

Ilko-Sascha Kowalczuk und Bodo Ramelow liefern sich hier einen lohnenden Schlagabtausch, findet Rezensentin Julia Encke. Zwar gehören sowohl der Historiker Kowalczuk als auch der Linken-Politiker Ramelow der politischen Linken an, aber, meint Encke, gerade diese relative Nähe führt womöglich dazu, dass hier ernsthaft Argumente ausgetauscht werden können und nicht die ganze Zeit Distanz markiert werden muss. Als Beispiel nennt die Rezensentin die interessante Auseinandersetzung der beiden über die Frage, ob das Verhalten von Westdeutschen im Osten nach der Wende als Kolonialismus bezeichnet werden kann - Kowalczuk verneint dies deutlich, Ramelow hat Verständnis für solche Positionen. Die oft seitenlangen Beiträge der beiden Autoren wirken auf die Rezensentin fast wie Essays. Zwischendurch geht es manchmal für den Geschmack Enckes doch etwas zu polemisch zu. Insgesamt dennoch ein Beispiel für ein gutes Streitgesprächbuch, so das Fazit.