Hunter S. Thompson

The Rum Diary

Roman
Cover: The Rum Diary
Blumenbar Verlag, München 2004
ISBN 9783936738131
Gebunden, 284 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Farkas. New York, 1959. Paul Kemp, dreißig, fliegt in einer Winternacht nach San Juan und tritt dort eine Stelle als Reporter an. In jener Zeit vor Castro und Kennedy, vor Vietnam und Flower Power ist Puerto Rico ein tropisches Paradies, das gerade von amerikanischen Investoren entdeckt wird. Bald wird Kemps neues Leben in der Karibik zu einer wilden Reise an die Grenzen der eigenen Möglichkeiten, zwischen Sonne, Rum, nackten Mädchen und der Ahnung vom drohenden Untergang.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.06.2005

Tilman Urbach lobt Hunter S. Thompsons Roman über den New Yorker Reporter Paul Kemp, der bei einer amerikanischen Zeitung in San Juan anheuert, als ein "wunderbar lesenswertes, tragisch komisches, dabei drastisches Buch über den Alltag amerikanischer Journalisten in der Karibik der fünfziger Jahre". Wie er berichtet, hatte Thompson den Roman bereits vor vierzig Jahren entworfen und Ende der neunziger Jahre überarbeitet. Thompson schildere das tägliche Leben und Überleben Kemps, der in Puerto Rico in "Delirium aus fiebriger Hitze und klebriger Korruption" gerät, während die Insel gerade zur amerikanischen Investitionsbasis, zum Spekulationsobjekt mutiert. So transportiere der Roman nicht nur Kemps "alkoholisierten Zickzack zwischen lethargischem Überdruss und nervöser Lebensgier", schließt der Rezensent, "sondern auch die beispiellose Arroganz des American Way of Life".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2005

Die Zeitungen sind voll mit Nachrufen auf Hunter S. Thompson, den Erfinder des so genannten Gonzo-Journalismus, der sich stets unter die Leute mischte, die er beschrieb und ihre Erfahrungen nachzuvollziehen suchte. "Teilnehmende Beobachtung" lautet das Stichwort, erläutert Andreas Rosenfelder. Thompson hat aber nicht nur viele Artikel verfasst, sondern auch Romane, in denen er sich seinen Themen mit der "natürlichen Aufdringlichkeit des Reporters" näherte, schreibt Rosenfelder bewundernd. "The Rum Diary" war lange verschollen; ein an Hemingway gemahnender Karibik-Roman, der auf Puerto Rico spielt, wo ein abgehalfterter Journalist sich die Nächte zwischen korrupter Zeitung, Hafenkneipe und Strand aufteilt. Thompson beschreibt "in grandiosen Bildern", schwärmt Rosenfelder, diese raue Männerwelt, in der es vor allem darum ginge, die Zeit totzuschlagen, weshalb für ihn das heimliche Thema des Romans die Vergänglichkeit ist. Ein in seiner Grundhaltung zutiefst pessimistisches Abenteurerbuch, gesteht der Rezensent, denn Leute wie der Journalist in Thompsons Buch seien ständig auf der Suche nach Neuland, unberührten Gegenden, die sie beim Betreten zugleich zerstörten.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.01.2005

Recht angetan zeigt sich Rezensent Frank Schäfer von Hunter S. Thompsons Journalistenroman über den desillusionierten Reporter Paul Kemp, der aus dem kalten New York flieht, um bei der San Juan Daily in Puerto Rico anzuheuern. Thompson zeichne ein Stimmungsbild von Puerto Rico Anfang der Sechzigerjahre, von der Goldgräber-Attitüde, der Dekadenz und Langeweile der sich hier breit machenden Herrenmenschen. Zwar findet Schäfer Thompsons Diktion in "The Rum Diary" noch etwas zurückhaltender als in "Fear and Loathing in Las Vegas". Aber schon hier versetze er die fiktive Story mit Reportagefermenten, und so entstehe diese "Gonzo-typische flüssige, herzhafte Down-to-earth-Prosa". Ein Lob gibt es auch für Wolfgang Farkas Übersetzung, die Schäfer "sehr adäquat" findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2004

Warum, rätselt Georg M. Oswald, ist dieser Hunter S. Thompson in Deutschland eigentlich so wenig bekannt, wo sich "doch der amerikanische Schriftsteller als solcher" stets erhöhter Aufmerksamkeit erfreuen darf? Oswald jedenfalls begrüßt es nachdrücklich, dass dieser bereits Ende der 50er Jahre verfasste und vierzig Jahre lang vom Autor als verschollen gemeldete Roman "The Rum Diary" endlich auch auf Deutsch vorliegt. Erstaunlich reif wirkt auf den Kritiker, was der damals 21-jährige geschrieben hat: die Story um einen wenig erfolgreichen und noch weniger sympathischen Journalisten, den es zur "Daily News" von Puerto Rico verschlägt, in eine Redaktion voll Gestrandeter, Abenteurer und Idealisten. Mit Hingabe und "überaus komisch" dekliniert der Autor alle Formen missratenen Daseins durch, erklärt Oswald. Zunächst sieht alles danach aus, als wolle Thompson lediglich den Überlebenskampf des kleinen Tropenblattes schildern, aber dann "nimmt der Roman Fahrt auf und läuft auf ein wirklich dramatisches Ende zu". Der von der englischen Kritik monierte "dated slang", also die aus der Mode gekommene Umgangssprache der 50er, wird von der "sehr gelungenen Übersetzung" von Wolfgang Farkas elegant abgefedert, lobhudelt Thompson-Fan Oswald. 
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