Herausgegeben von Lothar Albertin und Christoph Müller. Dieser Band umfasst die politischen Schriften von Hugo Preuß aus der Zeit von 1885 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Bismarck hatte einen Teil der liberalen Forderungen verwirklicht, indem er die Einheit Deutschlands herstellte. Aber zugleich hatte er die Kraft der liberalen Bewegung gebrochen. In dieser Krise des Liberalismus wollte Preuß eine Brücke zur demokratischen Arbeiterbewegung schlagen, wie das in England die Fabian Society und in Frankreich Jean Jaures und die Radikalsozialisten zu Wege gebracht hatten. Erst als das Kaiserreich in der militärischen Niederlage zusammenbrach, konnte er versuchen, seine Reformkonzepte, die sich bisher auf die Berliner Kommunalpolitik beschränkt hatten, zu verwirklichen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2007
Über Jahrzehnte schien der als Vater der Weimarer Verfassung geltende Staatsrechtler Hugo Preuß in Vergessenheit geraten. Um so mehr begrüßt Günther Gillessen den nun vorliegenden ersten Band einer auf fünf Bände angelegten Ausgabe seiner "Gesammelten Schriften", den Lothar Albertin und Christoph Müller herausgegebenen haben. Er schätzt Albertins hervorragende Einführung, die Preuß in den historischen Kontext der linksliberalen Parteien des Kaiserreichs und das Panorama der deutschen Innenpolitik jener Jahre stellt. Auch die reiche Kommentierung des Bands, der alle Artikel und Beiträge von Preuß für Zeitungen und Zeitschriften bis zum Ende des Weltkrieges bietet, bedenkt er mit Lob. Preuß' Überlegungen über gute Regierung und freiheitliche Ordnung scheinen Gillesse nach wie vor von Interesse. Zudem erweise sich der Polemiker Preuß als "eindrucksvoller politischer Lehrer". Besonders hebt Gillesse die Schrift "Das deutsche Volk und die Politik" von 1915 hervor, in der Preuß seine Bedrückung über den Zustand des eigenen Landes im Weltkrieg niedergeschrieben habe.
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