Hilary Mantel

Der Hilfsprediger

Roman
Cover: Der Hilfsprediger
DuMont Verlag, Köln 2017
ISBN 9783832198725
Gebunden, 208 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. Irgendwo im nördlichen England der Fünfzigerjahre: Fetherhoughton ist ein gottverlassenes Nest, eine Enklave der Ignoranz und des Aberglaubens. Father Angwin ist hier der Gemeindepriester, ein Zyniker, der längst seinen Glauben verloren hat und nur noch in Ruhe gelassen werden will; vor allem von dem neuen Bischof, der die Region in moderne Zeiten führen will. Die zweite Heimsuchung des Priesters ist Mutter Perpetua, die ihr Kloster mit eiserner Hand führt und jede Abweichung vom Pfad des Glaubens hart bestraft. Sie hat es vor allem auf die freiheitsliebende junge Nonne Philomena abgesehen. Eines Abends taucht ein Fremder an der Tür des Pfarrhauses auf und bietet Father Angwin seine Dienste an. Ist er ein Spion des Bischofs, wie Angwin glaubt? Ist er ein Engel, der den Priester wieder glauben lässt und Philomena die Liebe lehrt? Oder gar der Teufel selbst?


Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2017

Obwohl Hilary Mantels Roman "Der Hilfsprediger" Ende der achtziger Jahre im Original veröffentlicht wurde und obwohl er in einer noch früheren Zeit spielt, den 50ern, ist nichts daran altbacken oder uninteressant weil unaktuell, beteuert Rezensent Michael Schmitt. Schauplatz ist ein kleiner englischer Ort, dessen Bewohner, jeder auf individuelle Art, mit der allgemeinen Glaubenskrise zu kämpfen haben, lesen wir, was für die einen ein mehr, für die anderen ein weniger überholtes Thema sein mag. Die Zwänge, Ängste und Selbstbetrügereien allerdings, die hier ausgebreitet werden und von denen die interessante titelgebende Figur des Romans seine Gemeindemitglieder zu befreien sucht, sind zeitlos, versichert Schmitt. Dass Mantel dieses zunächst düster wirkende Thema mit einer gehörigen Portion Humor erhellt, macht den Roman für den Rezensenten rund und zu einem wirklichen Lesevergnügen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.09.2017

Gustav Seibt rät zum andächtigen Genießen unter Einbezug gesteigerten Denkens bei Hilary Mantels im Original bereits 1989 erschienener Geschichte um ein nordenglisches Dorf, das Mitte der fünfziger Jahre abrupter Modernisierung unterworfen wird. Abgründig komisch ist der Roman laut Seibt, von genialer Bildlichkeit und schaurig schön. Das Thema Formstrenge und Formlosigkeit umkreist die Handlung, so Seibt, der sich mit einer Nacherzählung zurückhält, wie bei den "allerbesten" Büchern geboten, wie er meint. Dass dem Grusel im Text auch ein wenig Kolportage folgt, verzeiht er der Autorin großherzig.
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