Hernan Ronsino

Letzter Zug nach Buenos Aires

Roman
Cover: Letzter Zug nach Buenos Aires
Bilger Verlag, Zürich 2012
ISBN 9783037620229
Gebunden, 104 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Luis Ruby. Da ist zunächst ein Friseursalon. Von dort aus beobachtet Vicente, der Erzähler, die Welt. Er beobachtet die Arbeiter, die Gleise der Eisenbahn demontieren. Gleise, auf denen nie mehr ein Zug in dieses verlassene Provinzkaff, weit weg von Buenos Aires, einfahren wird. Gleise, die als Narben in der Erde und in den Köpfen der Einwohner zurückbleiben. Dann ist da das Don Pedrin, die Bar, in der alles kommentiert wird. Man spricht über den Film, der im einzigen Kino des Städtchens gezeigt wurde, und man spricht über das Vergangene und stellt immer wieder Fragen, warum die Negra Mlranda eines Tages den Zug nach Buenos Aires genommen haben soll und nicht mehr zurückgekommen ist?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.07.2012

Nach der Lektüre von Hernan Ronsinos schmalem Buch "Letzter Zug nach Buenos Aires" möchte Rezensentin Cornelia Fiedler am liebsten sofort von vorne beginnen. Denn Ronsino gelinge es in seiner Geschichte, in der mehr unausgesprochen bleibe, als erzählt werde und in der sich Formulierungen wie die Arbeitsroutine wiederholen, mit einfachen, "schnörkellosen" Sätzen eine derart subtile Spannung aufzubauen, dass sich die Kritikerin schnell in den Bann ziehen lässt. Ausgehend von dem Tatsachenbericht des Journalisten Rodolfo Walsh über "Das Massaker von San Martin" aus dem Jahre 1956, in dem Polizisten nach dem Sturz eine Gruppe unbeteiligter Zivilisten erschossen, liest die Rezensentin hier die von vier Beteiligten geschilderten, nachfolgenden Ereignisse der Jahre 1958 bis 1984: darunter einer der Polizisten, der nun in die Kleinstadt bei Buenos Aires strafversetzt worden ist. Lobend erwähnt die Rezensentin auch die Übersetzung von Luis Ruby, dem es gelinge, Ronsinos "schroffe" Bilder präzise wiederzugeben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.06.2012

Einen "Solitär" der argentinischen Literatur entdeckt Timo Berger in Hernan Ronsino, dessen vorliegender Kurzroman der übrigen Literatur seines Landes in nichts gleiche. Unterteilt in vier "innere Monologe von vier Figuren" in unterschiedlichen Jahren von 1959 bis 1984 entwickle Ronsino ein fragmentarisch erzähltes "Kammerspiel über Liebe, Macht und Verrat", das Berger an den Nouveau Roman erinnert und überdies anhand der Figur eines Polizisten den Bogen zu einem realen Massaker der Militärregierung im Jahre 1956 schlage. Genreliteratur sei das Werk dabei schon deshalb nicht, weil ein zentraler Mord überhaupt erst "wie ein Paukenschlag am Ende" stehe. Statt dessen gelinge es Ronsino mit seinem literarischen Instrumentarium prächtig, eine schicksalshafte Personenkonstellation und nicht zuletzt eine "bedrohliche Atmosphäre" zu etablieren.

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