Herman Melville

Herman Melville: Ein Leben

Briefe und Tagebücher
Cover: Herman Melville: Ein Leben
Carl Hanser Verlag, München 2004
ISBN 9783446205543
Gebunden, 888 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz und Daniel Göske. Herman Melville, einer der berühmtesten Autoren der Weltliteratur, war zu Lebzeiten ein Außenseiter, gescheitert als Schriftsteller und Mensch. Sein Leben auf Handelsschiffen und Walfängern inspirierte ihn zu seinen ersten erfolgreichen Romanen. Doch sein größtes Werk, "Moby Dick", blieb erfolglos. "Ein Leben" zeigt in Briefen, Tagebüchern und Aufzeichnungen den Menschen Melville. Durch lebensgeschichtliche Erläuterungen ergänzt, entsteht die Chronik eines aufregenden und bis heute weitgehend unbekannten Schriftstellerlebens.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.11.2005

Dieses Buch hält für Rezensent Uwe Pralle mehr als es verspricht. Um die annoncierten und abgedruckten Briefe und Tagebücher nämlich finden sich als "Zwischentexte" Kommentare und Erläuterungen geschlungen, die das Ganze fast zu einer "Biografie" des seinerzeit erst gefeierten, dann umstrittenen, dann vergessenen Autors Herman Melville machen. Besonders gut lasse sich nachvollziehen, wie Melville im Laufe seines Lebens zusehends pessimistisch wurde, vor allem was die Gegenwart und Zukunft seiner Heimat betraf. So erweist er sich als scharfer Kritiker der "territorialen Expansion nach Mexiko" - auch der Bürgerkrieg widersprach der Konstruktion vom "irdischen Paradies", als das er die demokratische Idee zunächst verstehen wollte. Pralle hat an diesem Band nichts zu kritisieren, lobt ihn vielmehr als das bisher "beste deutschsprachige Buch" zum Leben Melvilles.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.01.2005

Eine "eher ungewöhnliche Lebensbeschreibung" sieht Rezensent Thomas Stölzel in diesem Band über Hermann Melville, den Daniel Göske nun vorgelegt hat. Wie Stölzel berichtet, versammelt Göske, chronologisch und in acht Kapiteln angeordnet, alle Briefe, Tagebücher und anderen Dokumente, die aus Melvilles Feder überliefert sind. Er nehme durch seine kenntnisreichen Kommentare und Erläuterungen den Leser bei der Hand und führe ihn so durch Melvilles ereignisreiche Leben. Stölzel lobt die "gut gefassten" biografisch-historischen Skizzen, die Göske zwischen Melvilles Selbstzeugnisse eingefügt hat, und die rund ein Drittel der Textes einnehmen. Ein Verfahren, das Stölzel überzeugt hat. Der Wechsel zwischen einer autobiografischen Stimme aus dem 19. Jahrhundert und einer kommentierend-erläuternden aus dem 21. Jahrhundert gebe dieser Lebensbeschreibung nämlich "etwas wohltuend Dialogisches". Das eröffne "anregende Perspektiven" und wahre eine Offenheit, die den Leser einlade, eigene Schlussfolgerungen zu ziehen. Zu den Glanzlichtern des Bandes zählt Stölzel neben Melvilles Reisetagebüchern insbesondere seine Korrespondenz mit Nathaniel Hawthorne, die Melville während der Niederschrift seines berühmtesten Romans "Moby Dick" führte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.12.2004

Die Bewunderung der Schriftstellerin Brigitte Kronauer für Hermann Melville kennt kaum Grenzen. Nur dem selber Schreibenden, stellt sie fest, könne einleuchten, mit welchem weltfremden Willen zur Radikalität Melville das Unverständnis seiner Mitwelt herausforderte und sich so selbst ins literarische Abseits schrieb. "Geniewahn eines längst vergangenen Jahrhunderts?", fragt die Rezensentin rhetorisch und macht dann klar: Melville konnte einfach nicht anders. Nachvollziehen lässt sich das jetzt in diesem Band, der Briefe und Selbstzeugnisse des Autors zu einer beeindruckenden Lebensschau versammelt, der alles unangenehm Stilisierende geplanter Autobiografien, so Kronauer, sehr wohltuend fehlt. Höchst lesenswert die Korrespondenz mit Nathaniel Hawthorne, aber auch die großen Aufzeichnungen von den Reisen nach Europa und Palästina. Worum es Melville immer ging und immer gehen musste, darum wird es auch dem Leser dieser "Fundgrube" scheinbar biografisch zu nehmender Texte zu tun sein, betont Kronauer: "Nie die Biografie, immer sein Werk."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2004

Für Ulrich Greiner ist dieser Band mit Briefen und Tagebüchern Herman Melvilles die "ideale Biografie" des amerikanischen Schriftstellers und er preist überschwänglich die "bewundernswerte Kompetenz", mit der der Herausgeber Daniel Göske die Zeugnisse seines Lebens chronologisch geordnet und kommentiert hat. Während man gemeinhin von Melville das Bild eines zunächst erfolgreichen, dann zunehmend gescheiterten und von der zeitgenössischen Kritik verspotteten Schriftstellers hat, der "verkannt und vergessen" starb, zeichnen diese Selbstzeugnisse ein wesentlich "reicheres Bild", freut sich der Rezensent. Zudem mache der Band die "Lücken kenntlich" und enthalte sich aller "spekulativen Deutungen" über das Leben und das Innenleben Melvilles, so Greiner weiter. Besonders berührt haben den Kritiker die Briefe, die Melville an den älteren und berühmteren Schriftsteller Nathaniel Hawthorne schrieb und hier, in diesen "schönsten und intimsten" Briefen, meint er auch die größte "Selbstoffenbarung" Melvilles entdecken zu können. Bei anderen, wichtigen Stationen seines Lebens wie dem Tod seines Sohnes Malcolm gebe es dagegen erstaunlicherweise keinerlei Äußerungen in den Briefen, Tagebüchern oder Romanen, stellt der Rezensent weiter fest. Die Erforschung der eigenen Psyche gehörte eben nicht zu den Interessen dieser Zeit, betont Greiner. Als wichtigste Erkenntnis aber nimmt er aus der Lektüre mit, dass Melville "nur bis zu einem gewissen Grad Herr seines Schreibens" war und die "Triebkraft seines Geistes" ihn in seinen Büchern oft zu überraschenden Ergebnissen brachte.
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