Aus dem Französischen von Leopold Feldmair. Als Henri Thomas an seinem Roman schrieb, herrschte in Frankreich ein Zustand, den man als drôle de guerre bezeichnet. Die Franzosen erwarteten einen Angriff der Deutschen, waren aber nicht bereit, sich einem Krieg zu stellen, da sie die Erfahrungen des ersten Weltkriegs mit opferreichen Stellungskämpfen nicht wiederholen wollten. Eine unklare, unsichere, zweideutige Situation also, und genau diese Eigenschaften kennzeichnen viele Situationen des Romans. Es gibt darin Figuren, die sich belauert fühlen, und Voyeure, die andere ausspähen, aber ihrerseits Angst haben müssen, von Unbekannten ausgespäht zu werden. Der Schauplatz ist eine Internatsschule in einer Kleinstadt im Osten Frankreichs; durch die Gegenüberstellung von Lehrern und Schülern kommen auch Vertreter älterer Generationen in den Blick, vor allem aber drehen sich die Geschichten um die heimliche Hauptfigur, das Faktotum der Schule, einen geistig minderbemittelten, alleinstehenden, dem Wein zusprechenden alten Mann.
Rezensentin Dorothea Dieckmann entdeckt mit Henri Thomas' bereits 1940 erschienenem und nun ins Deutsche übersetzten Roman "Der Kohlenkübel" den französischen "Törleß" und einen Weg in seelische Abgründe. Der französische Autor, in Frankreich als "großer Verkannter" geltend, erzählt in diesem Internatsroman multiperspektivisch von dem oftmals düsteren Innenleben der InternatsbewohnerInnen, ohne sie zu psychologisieren, lobt die Kritikerin. Die Handlung spielt in einer kleinen regnerischen Stadt in den Vogesen im November der Vorkriegszeit, die vielen benannten umliegenden Ortschaften sind fiktiver Natur, resümiert Dieckmann. Nur der Klarname Kafkas fällt, erklärt die Rezensentin, nicht verblüfft ist, dass Thomas' literarische Zeitgenossen wie Jacques Derrida und George Perec sein Werk sehr geschätzt haben.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Daniel Kehlmann: Afrika Im Winter 1884 versammeln sich auf Einladung Bismarcks die großen Mächte zu einer Konferenz, auf der ein ganzer Kontinent mit all seinen Reichtümern aufgeteilt werden soll:… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…