Klappentext
Die Ich-Erzählerin ist zurück im Elternhaus. Schleswig-Holstein: Salzwiesen. Vogelschwärme. Windräder. Die Gegenwart wird zum Stillleben, während die Zeit rückwärtsläuft: Die dominante Mutter, evangelische Pastorin, die Pumps trägt zum Talar. Die von April bis Oktober auf Strümpfe verzichtet. Die heiße Kartoffeln stets mit den bloßen Fingern pellt. Die ihr Kind im Supermarkt vergisst. Die jetzt eine Echthaarperücke trägt und ihre eigene Beerdigung plant. - Wie geht vergeben, wenn nicht mehr viel Zeit bleibt?
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.06.2026
Mit ihrem autofiktionalen Roman "Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart" hat Marie-Louise Monrad Møller Trauer in Literatur verwandelt, so Rezensent Hagen Gersie - Trauer in all ihrer Vielschichtigkeit und Ambivalenz. Als die Ich-Erzählerin von der Krebsdiagnose ihrer Mutter erfährt, kehrt sie aus der Schweiz in ihre Heimat Schleswig zurück, um der Familie Beistand zu leisten und Zeit mit ihrer sterbenden Mutter zu verbringen, lesen wir. Dabei wird die Gegenwart, auf die sie sich zu konzentrieren versucht, immer wieder unterbrochen und beeinflusst von Erinnerungen - Erinnerungen an ihr Aufwachsen mit dieser "überlebensgroßen" Mutter, einer Pastorin, die immer "für alle da" war, aber gerade deshalb vielleicht nicht immer für ihre Kinder da sein konnte. Diese Spannung zwischen Gegenwart und Vergangenheit prägt den Trauerprozess der Erzählerin und zeichnet damit auch diesen Roman aus, erklärt Gersie. Mit beeindruckendem Feingefühl, dabei angenehm nüchtern, erzählt Møller, wie die Trauer sich auswirkt: auf das Wahrnehmen, das Erleben und Erinnern, auf das Zwischenmenschliche vor allem, die feinen "Verschiebungen" in der Dynamik eingespielter Konstellationen. So entsteht nach und nach das feine Porträt einer Beziehung: Der Beziehung einer erzählenden Tochter zur Mutter, zur Landschaft und zu sich selbst, so der berührte Rezensent.
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