Marie-Louise Monrad Møller

Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart

Roman
Cover: Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart
Kanon Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783985682065
Gebunden, 288 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Die Ich-Erzählerin ist zurück im Elternhaus. Schleswig-Holstein: Salzwiesen. Vogelschwärme. Windräder. Die Gegenwart wird zum Stillleben, während die Zeit rückwärtsläuft: Die dominante Mutter, evangelische Pastorin, die Pumps trägt zum Talar. Die von April bis Oktober auf Strümpfe verzichtet. Die heiße Kartoffeln stets mit den bloßen Fingern pellt. Die ihr Kind im Supermarkt vergisst. Die jetzt eine Echthaarperücke trägt und ihre eigene Beerdigung plant. - Wie geht vergeben, wenn nicht mehr viel Zeit bleibt?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.06.2026

Mit ihrem autofiktionalen Roman "Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart" hat Marie-Louise Monrad Møller Trauer in Literatur verwandelt, so Rezensent Hagen Gersie - Trauer in all ihrer Vielschichtigkeit und Ambivalenz. Als die Ich-Erzählerin von der Krebsdiagnose ihrer Mutter erfährt, kehrt sie aus der Schweiz in ihre Heimat Schleswig zurück, um der Familie Beistand zu leisten und Zeit mit ihrer sterbenden Mutter zu verbringen, lesen wir. Dabei wird die Gegenwart, auf die sie sich zu konzentrieren versucht, immer wieder unterbrochen und beeinflusst von Erinnerungen - Erinnerungen an ihr Aufwachsen mit dieser "überlebensgroßen" Mutter, einer Pastorin, die immer "für alle da" war, aber gerade deshalb vielleicht nicht immer für ihre Kinder da sein konnte. Diese Spannung zwischen Gegenwart und Vergangenheit prägt den Trauerprozess der Erzählerin und zeichnet damit auch diesen Roman aus, erklärt Gersie. Mit beeindruckendem Feingefühl, dabei angenehm nüchtern, erzählt Møller, wie die Trauer sich auswirkt: auf das Wahrnehmen, das Erleben und Erinnern, auf das Zwischenmenschliche vor allem, die feinen "Verschiebungen" in der Dynamik eingespielter Konstellationen. So entsteht nach und nach das feine Porträt einer Beziehung: Der Beziehung einer erzählenden Tochter zur Mutter, zur Landschaft und zu sich selbst, so der berührte Rezensent. 

Beliebte Bücher

Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…
Maxim Biller. Schwarze Samstage - Roman eines Jahres. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Maxim Biller: Schwarze Samstage
Eigentlich dachte Ari, der Ich-Erzähler von Maxim Billers neuem Roman, Ende der siebziger Jahre sei das Schlimmste vorbei gewesen: Nach ihrer Flucht aus der kommunistischen…