Ist die sizilianische Mafia seit der Verhaftung des letzten Paten Bernardo Provenzano besiegt? Henning Klüver, langjähriger Italien-Korrespondent, zeigt das Gesicht der Cosa Nostra des 21. Jahrhunderts. Die Mafiosi von heute tragen oft weiße Kragen, und ihre jährlichen Einkünfte werden auf 100 Milliarden Euro geschätzt. Provenzano, der Bauernsohn ohne Schulabschluss, hat mit seiner Pax mafiosa, dem Verzicht auf brutale Anschläge, die öffentliche Aufmerksamkeit von der Mafia abgelenkt, so ihren Einfluss erweitert und ihre Geschäfte legalisiert. Klüver ist auf seinen Reisen durch die Kulturlandschaft Sizilien aber auch überall couragierten Menschen begegnet, die sich gegen die Cosa Nostra zur Wehr setzen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2007
Hennig Klüvers Buch über die sizilianische Mafia scheint Andreas Rossmann durchaus erhellend, auch wenn er einiges zu kritisieren hat. Dass der Autor Journalist und nicht Historiker ist, macht seines Erachtens Stärken wie Schwächen des Buchs erklärlich. Die Reportagen verdichten sich zu seinem Bedauern nicht zu "tiefenscharfen Diagnosen". Dafür findet er sie, von gelegentlichen redundanten Passagen abgesehen, anschaulich und fesselnd geschrieben. Er hat eine Menge erfahren über die Familienbildung der Mafia, ihre Geschäfte, die Verbindungen zur Politik, die Rolle von Polizei und Justiz, die Bedeutung von Kronzeugen und die Antimafia-Kampagnen. Die Geschichte der Mafia seit dem 19. Jahrhundert bleibt in seinen Augen dagegen eher skizzenhaft. Klüvers Focus auf die Biografie des womöglich letzten Paten, den 2006 verhafteten Bernardo Provenzano, führt seines Erachtens zu einer "verkürzenden Personalisierung". Bei Klüvers Versuch, das Wesen der Mafia zu ergründen, vermisst Rossmann die Einbeziehung der psychosozialen Dynamik und des kulturellen Kodex dieser Organisation. Insgesamt viel Positives wie Negatives also. Zum "letzten Akt", wie es im Titel des Buchs heißt, ist Klüvers Analyse der Mafia nach dem strengen Urteil des Rezensenten indes nicht vorgedrungen.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Botho Strauß: Bleiben und Blicken In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…