Hella Eckert

Da hängt mein Kleid

Roman
Cover: Da hängt mein Kleid
Luchterhand Literaturverlag, München 2003
ISBN 9783630871448
Gebunden, 238 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Nellie Goldberg nutzt die Julihitze, um sich in eine chaotische Liebesaffäre zu stürzen, die gerade mal sieben Tage dauert. Am achten Tag ist das Chaos vorbei, Nellie geht wieder arbeiten und träumt von einem Job in Paris. Ist Max nun mein Mann? fragt sie sich, als sie bei Salamander steht und Schuhe verkauft. Sie ist achtzehn Jahre alt und hat bereits einiges erlebt, was für ihre ältere Schwester Mina kein Geheimnis ist. Max ist ein rastloser Mensch, der, kaum angekommen, seinen Aufbruch plant. Während er sich tagsüber in den Straßen der Stadt verliert, mal arbeitet, mal nicht, kommt er jeden Abend zu Nellie zurück. Bei ihrem Geburtstagsfest im Restaurant Immortale wird deutlich, was Nellie mit Max eint: die Hoffnung, dass ihre Zukunft die Vergangenheit vergessen lässt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.04.2004

Werner Jung ist beeindruckt von der Abgründigkeit dieses Romans, der unter anderem von einer Liebesbeziehung von zwei gerade mal erwachsen Gewordenen in der deutschen Provinz der Siebziger Jahre erzählt. Auch wenn es zunächst und oberflächlich betrachtet anders wirken mag, weil die Protagonistin sich schon früh mit ihren Lebensrealitäten arrangiert hat: hier gibt es keine "Wonnen der Gewöhnlichkeit oder Abenteuer, wie sie alltäglich um die Ecke lauern - nein, recht eigentlich handelt es sich trotz aller brillanten Lakonie im Erzählton um ein kleinbürgerliches Trauerspiel". Das Faszinierendste an diesem Roman ist in den Augen des Rezensenten vor allem die konsequent auf das Bewusstsein der Protagonistin festgelegte Perspektive und dieser eigenwillige Tonfall, der sich in den "Zwischenräumen und Lücken" festgesetzt hat, "dort, wo das Unheimliche des gewöhnlichen Alltagslebens angesiedelt ist".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.04.2004

"Sonnig und leicht" findet Rezensent Kai Martin Wiegandt Hella Eckerts neuen Roman. Interessant an der Geschichte einer 18-jährigen Schuhverkäuferin, die sich verliebt, mit der eigenen Schwester um den Mann konkurrieren muss, aber am Ende doch triumphiert, sei vor allem die Darstellung der Protagonistin Nellie. Deren Sätze seien "über allen formalen Kram erhaben", freut sich der Rezensent. Eckert habe das Talent, das Licht und die "Schwerelosigkeit eines langen Sommers" einzufangen, dabei aber "schwüle Sonnenuntergangsromantik" zu vermeiden. Schade nur, dass Eckert die übrigen Personen eher "zu wenig belichtet" habe und so den Leser nicht neugierig genug mache. Auch ihre Handlungsführung weise ein "ähnliches Manko" auf: In der Geschichte passiere leider "allzu wenig", bis das in die Vergangenheit verlegte "Problemreservoir" endgültig ans Licht gelange.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.04.2004

Rezensentin Andrea Gnam hat sich von diesem Roman verzaubern lassen, in dem es zwar auch um die Liebeswirren seiner Heldin Nellie geht, vor allem aber vom Lebensgefühl der Erzählerin getragen wird. Es ist Sommer, sie ist achtzehn und die beste Schuhverkäuferin der Stadt und sie hat Freude am Leben: Ihre "Lust am Rauchen, am Espressotrinken, am Sex, am Unerwarteten und daran, keinen Ehrgeiz zu haben" erzähle Hella Eckart mit einer wunderbaren Leichtigkeit, schwärmt Gnam, die sie mit sicherer Balance auch über die Abgründe der Geschehnisse hinweg rettet. Auf die dunklen Töne hätte die Rezensentin gut verzichten können, denn für sie ist der Roman da am überzeugendsten, "wo eigentlich gar nichts passiert".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2004

Andrea Neuhaus mag Nellie Goldberg, die "gefährdete junge Frau" und Erzählerin, und sie möchte auch das Buch selber mögen, "einen leisen, sensiblen Roman über Verlassenheit, Erinnern und Vergessen", doch sie kommt nicht umhin, seine Schwächen zu bemerken, zumal diese so eng mit den Stärken verknüpft sind. Denn Hella Eckert verstehe es sehr gut, sich in die Perspektive einer Achtzehnjährigen hineinzuschreiben, die in ihrer mühsam zurechtgezimmerten Schuhverkäuferinnenexistenz dahinlebt, einer vorsichtigen, ängstlichen Träumerin, die ihre Außenwelt "wie durch ein fast erblindetes Fenster" wahrnimmt und alles abwehrt, was an sie herangetragen wird. Und, klar: "Nellie kann eben nicht mehr mitteilen, als sie selbst wahrnimmt." Doch gerade diese Beschränkung, gerade der gelungene Blick durch die Augen einer eingeschränkten Beobachterin, bringe den Roman in die Nähe der Beliebigkeit. "Die Plausibilität", schreibt Neuhaus, "wurde dem Wunsch nach Vieldeutigkeit zum Opfer Gebracht".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.10.2003

Jürgen Berger gefällt recht gut, wie die Autorin Hella Eckert aus dem Leben einer jungen Frau namens Nellie erzählt und dabei auch innere Bezüge zu ihren beiden früheren Romanen entwirft: sie hat "einen Ton des Erzählens zur Meisterschaft entwickelt, den man entbergendes Verbergen nennen kann". Sie vermeide es, dass Innenleben ihrer Protagonistin offen zu legen und erzähle dabei trotzdem eine Menge über Nellies Schuldgefühle wegen eines Freundes, der sich umgebracht hat, über ihre Liebesgeschichte zu Max und das schwierige Verhältnis zu ihrer Schwester Mina. Berger setzt den Roman in ein Verhältnis zu Eckerts früherem Roman, in den es um ein 15-jähriges Mädchen geht und meint, darin ein mögliches Programm der Autorin zu entdecken: die Beschreibung "der allmählichen Verfertigung eines Frauenlebens in Vierjahresschritten. So gesehen müsste ihre nächste Heldin 23 Jahre alt sein."
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