Portugiesen hatten das Land markiert, Holländer und Engländer den Weg über Südafrika aufgezeigt und den deutschen, englischen sowie finnischen Missionaren ermöglicht, in das Landesinnere zu gelangen. Ihrer Anwesenheit war es zu verdanken, dass erste Grundsteine gelegt, europäische Kulturen eingeführt und die ansässigen Völker auf die Übernahme durch europäische Mächte vorbereitet wurden. Die Deutschen und später die Südafrikaner besetzten das Land, zersiedelten es, bauten feste Häuser und legten Grenzen fest, ohne die Betroffenen zu fragen. Als diese sich dagegen wehrten, begann ein leidvoller Befreiungskampf, der 106 Jahre dauern sollte und - dank weltweiter Unterstützung - mit der Unabhängigkeit endete. Bürger und Senat des Bundeslandes Bremen haben den Weg in die Unabhängigkeit entscheidend mitgeprägt und begleitet. Aus Bremen, der einstigen "Stadt der Kolonien", wurde eine "Stadt der Anti-Apartheid".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2005
Kritisch betrachtet Rezensent Jürgen Zimmerer diese Darstellung der wechselvollen Beziehung zwischen der ehemals deutschen Kolonie Namibia, Deutschlands und insbesondere Bremens, die Heinz Gustafsson vorgelegt hat. Ausdrücklich begrüßt er das Vorhaben des Autors, die Ausführung allerdings erscheint ihm fragwürdig. Zwar würdigt er die "unermüdliche Fleißarbeit", mit der Gustafsson Quellen geborgen und Fakten rekonstruiert und so weithin vergessene Ereignisse in Erinnerung gerufen hat. Eine spätere wissenschaftliche Ausarbeitung werde aus seinem voluminösen Buch wertvolle Anregungen nehmen können. Was Zimmerer aber vermisst, ist ein "theoretische Rahmen" oder eine "grundsätzlichere Fragestellung". Stattdessen begnüge sich der Autor mit der Aneinanderreihung von Details und lässt es vor allem in der zweiten Hälfte des Buches bei teilweise seitenlangen Zitaten aus Reden namibischer oder Bremer Politiker und anderer Würdenträger bewenden. "Es ist jedes Autors gutes Recht, auf eine kritische Interpretation zu verzichten", kommentiert Zimmer, objektiver werde das Ganze damit aber nicht unbedingt. Denn "schon Auswahl und Präsentation sind subjektiv." Er hält Gustafsson insbesondere eine unbalancierte Gewichtung der Ereignisse vor. So räume er der Ermordung des Bezirkshauptmanns von Burgsdorff mehr als dreimal soviel Platz ein als der Inhaftierung und Ermordung von 1032 Nama und Herero im Konzentrationslager "Haifischinsel".
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