Terroristische Attentate erschütterten am Ende des 19. Jahrhunderts ganz Europa. Zwischen 1880 und 1914 kamen durch Revolverschüsse, Messerstiche oder Bomben so viele Monarchen, Staatsoberhäupter, Minister und Beamte ums Leben wie in keiner Zeit zuvor und danach. Anhand von Beispielen aus Deutschland, Frankreich und Italien untersucht dieses Buch das Phänomen Attentat als Herausforderung des staatlichen Gewaltmonopols: Wie reagierten die Nationalstaaten auf anarchistische Anschläge? Führte ein schwacher Staat zu vermehrten Exzessen der Gewaltsamkeit? Galten die staatlichen Repressionen der Bedrohung oder benutzten die Behörden diese nur als Vorwand, um andere Ziele zu erreichen? Gibt es Kontinuitäten zur staatlichen Reaktion auf den Terrorismus des 20. und 21. Jahrhunderts?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.10.2019
Florian Keisinger liest Heinz-Gerhard Haupts 16 Analysen zu politischen Attentaten zwischen 1875 und 1895 in Deutschland, Frankreich und Italien mit Spannung. Was der Historiker über anarchistischen Terror und staatlichen Konterterror herausfindet, scheint ihm hochaktuell. Wie Presse und Sicherheitsapparate auf den Terror reagierten, zu welchen Allianzen und Ergebnissen das führte und welche Grenzen dadurch deutlich wurden, erfährt Keisinger aus dem Buch. Haupts Fazit, wonach Inklusion und ein intakter Rechtsstaat sinnvolle Mittel im Kampf gegen den Terror sind, hält der Rezensent für bedenkeswert.
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